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Medikamentöse Versorgung im Alter: zu wenig, zu viel oder ungeeignet?

Die Optimierung der Arzneimitteltherapie bei älteren Menschen bleibt in einer alternden Gesellschaft eine zentrale Herausforderung. Eine aktuelle Analyse auf Basis der NAKO Gesundheitsstudie untersuchte bei 54.296 Teilnehmenden systematisch das Auftreten von Über-, Unter- und Fehlversorgung sowie Faktoren, die damit zusammenhängen könnten.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie häufig potenziell ungeeignete Medikamente im höheren Alter eingesetzt werden und in welchen Patientengruppen besondere Risiken bestehen. Als Orientierung diente die FORTA-Liste („Fit fOR The Aged“), ein klinisches Bewertungssystem für die Arzneimitteltherapie im Alter. Sie ordnet Medikamente in vier Kategorien ein: A für besonders geeignete Arzneimittel, B für geeignete Medikamente mit Einschränkungen, C für kritisch einzustufende Wirkstoffe und D für möglichst zu vermeidende Präparate.

Die Analyse unter Federführung von Forschenden des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zeigt, dass potenziell ungeeignete Medikamente sowie medikamentöse Unter- und Überversorgung im höheren Lebensalter keine Ausnahme sind, und dass neben der Anzahl der eingenommenen Medikamente auch Begleiterkrankungen, funktionelle Einschränkungen und weitere Versorgungsfaktoren eine wichtige Rolle spielen können. 

Entsprechend der Analyse der NAKO-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhält mehr als ein Viertel der älteren Menschen Medikamente, die für sie als potenziell ungeeignet gelten. Das Risiko für zu viele Medikamente war vor allem bei Personen mit Epilepsie und Depressionen hoch. Bei Parkinson, Osteoporose, COPD und Vorhofflimmern bestand dagegen eher die Gefahr einer Unterversorgung.

Ergebnisse der Publikation als Grafik zusammengefasst. Copyright: JIM

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass bei älteren Patientinnen und Patienten nicht nur die Vermeidung potenziell ungeeigneter Arzneimittel wichtig ist, sondern auch eine regelmäßige Überprüfung, ob eine Behandlung weiterhin indiziert, ausreichend oder möglicherweise zu umfangreich ist. Damit liefert unsere Analyse wichtige Hinweise darauf, wo in der Versorgung älterer Menschen genauer hingeschaut werden sollte“ schlussfolgert Miriam Degen, Erstautorin und Wissenschaftlerin in der Abteilung für klinische Epidemiologie und Krebsfrüherkennung am DKFZ in Heidelberg.

Originalpublikation 

Degen M, Haug U, Scholle OHF, et al. Factors associated with potentially inappropriate medication use, medication underuse and overuse in older adults in the German National Cohort. J Intern Med. 2026:joim.70097. http://doi.org/10.1111/joim.70097 

Weitere Informationen

FORTA-Liste
Das Klassifizierungssystem FORTA steht für „Fit fOR The Aged“ und teilt Medikamente in vier Kategorien
ein: A = „unerlässlich“ B = „nützlich“ C = „fraglicher Nutzen“ D = „vermeiden“
FORTA-Liste

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