Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßigem Sport, ausgewogener Ernährung, maßvollem Alkoholkonsum und Nichtrauchen hängt mit einer geringeren Menge an viszeralem Fettgewebe (VAT) zusammen. Dies zeigen aktuelle Analysen internationaler Forschender aus der NAKO Gesundheitsstudie, an denen mehr als 18.000 Erwachsene mit Magnetresonanztomographie (MRT)-basierten Messungen der Körperfettverteilung beteiligt waren.
Ein Index für gesunden Lebensstil
Das Forschungsteam hat den sogenannten Lifestyle Risk Factor Index (LSRI), der vier gesundheitsrelevante Verhaltensweisen berücksichtigt, weiterentwickelt: Nichtrauchen, körperliche Aktivität von mindestens 150 Minuten pro Woche, keine bzw. moderate Alkoholaufnahme (≤1 Getränk/Tag bei Frauen, ≤2 bei Männern) sowie die Einhaltung von mindestens drei von sieben Ernährungsempfehlungen. Je nach Erfüllung dieser Kriterien erhielten Teilnehmende 0 bis 4 Punkte – höhere Werte spiegeln einen gesünderen Lebensstil wider.
Ergebnisse aus der NAKO Analyse
Unter den 18.508 Teilnehmenden im mittleren Alter von 48 Jahren verteilten sich die LSRI-Werte wie folgt: 7 Prozent erzielten 0 oder 1 Punkt, 24 Prozent 2 Punkte, 51 Prozent 3 Punkte und 18 Prozent erreichten die volle Punktzahl von 4.
Die Auswertungen zeigten, dass Personen mit dem höchsten LSRI deutlich geringere Mengen an viszeralem Fett aufwiesen als Personen mit einem niedrigen LSRI (2,26 Liter vs. 2,99 Liter). Dieser Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Body-Mass-Index (BMI) bestehen, wenn auch abgeschwächt.
Die Assoziation zwischen Lebensstil und viszeralem Fett war bei Personen mit normalem oder leicht erhöhtem BMI stärker ausgeprägt als bei Teilnehmenden mit Adipositas. Dies deutet darauf hin, dass bei Personen mit höherem Körpergewicht der Einfluss des BMI auf Fettverteilung stärker ist als der einzelner Lebensstilfaktoren.
Körperfettverteilung besser verstehen
Viszerales Fett, das sich um die inneren Organe ansammelt, gilt als besonders risikoreich für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. „Unsere Ergebnisse belegen, dass ein gesunder Lebensstil nicht nur die Menge, sondern auch die Verteilung des Körperfetts beeinflusst“, betont Prof. Dr. Getraud Maskarinec vom University of Hawaii Cancer Center, Erstautorin der Studie, deren Arbeit als Visiting Professor am Max Delbrück Center in Berlin durch die Stiftung Charité unterstützt wurde. „Vor allem körperliche Aktivität zeigte den stärksten Zusammenhang mit geringerem viszeralem Fettanteil, gefolgt von Ernährung und moderatem Alkoholkonsum.“
Stärken und Ausblick
„Die NAKO Gesundheitsstudie bietet einzigartige Möglichkeiten, Zusammenhänge zwischen Lebensstil, Körperzusammensetzung und Krankheitsrisiken zu untersuchen. Dank der standardisierten MRT-Messungen an über 30.000 Teilnehmenden in Deutschland lassen sich präzise Aussagen über die Fettverteilung treffen“, sagt Prof. Dr. Tobias Pischon, Letztautor der Publikation und Mitglied im Vorstand des NAKO e.V.
Da es sich bei der aktuellen Auswertung um eine Querschnittsanalyse handelt, können jedoch keine Aussagen über Kausalität gemacht werden. Zukünftige Studien sollen prüfen, ob gezielte Lebensstiländerungen – insbesondere durch Bewegung – das viszerale Fett langfristig reduzieren können.
Originalpublikation
Maskarinec G, Klapp R, Nöthlings,U et al. Association of a Lifestyle Risk Index With Visceral and Subcutaneous Adipose Tissue in the German National Cohort (NAKO). Obesity. https://doi.org/10.1002/oby.70071