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Gesichter der YoungNAKO: „Wir bringen frischen Wind und neue Perspektiven“

Interview mit Sehajpreet Gill, Doktorandin am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen und Teilnehmerin im YoungNAKO Graduiertenprogramm.

Wenn Sehajpreet Gill morgens aus ihrem Bürofenster am Leibniz Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen schaut, zückt sie oft ihr Smartphone. Sie fängt Sonnenaufgänge ein. Doch wenn sie den Blick vom Fenster zurück auf ihren Bildschirm wendet, beschäftigt sie sich mit einer anderen Art von Strahlung. Einer, die man nicht sehen kann, deren Auswirkungen aber für unsere Gesundheit entscheidend sein können.

Sehajpreet ist Doktorandin im Bereich Strahlenepidemiologie. An der Universität Bremen hat sie Public Health im Bachelor und Epidemiologie im Master studiert.

Welche Aspekte sind dir am wichtigsten in deiner Arbeit?

„Sinnhaftigkeit und Nutzen von Wissenschaft für die Verbesserung der Gesundheit meiner Mitmenschen, insbesondere im Bereich Strahlenschutz. Es ist wichtig, dass wir unsere Ergebnisse aus der Wissenschaft der Bevölkerung zugänglich machen und verständlich weitergeben, schließlich soll die Bevölkerung von den Ergebnissen profitieren und mitdiskutieren können.“

Von der Kunst der Fotografie zur Datenanalyse

Dass Sehajpreet heute an komplexen Expositionsmatrizen arbeitet, hat viel mit ihrem Blick für Details zu tun. „Die Natur ist eines meiner Lieblingsmotive“, erzählt sie. Diese Geduld, den richtigen Moment abzuwarten, hilft ihr auch in der Forschung. Inspiriert von ihren Eltern und ihreren Schwestern, die ihr den Wert von Bildung früh vermittelten, und unterstützt durch ihren Betreuer Hajo Zeeb, entschied sie sich für die Strahlenepidemiologie. „Es ist ein interdisziplinäres Feld. Wir liefern die wissenschaftliche Grundlage für Entscheidungen im Strahlenschutz.“

Forschung im Detail: Wie valide sind unsere Daten?

In ihrer aktuellen Forschung konzentriert sich Sehajpreet auf zwei Hauptbereiche: ihre eigene Doktorarbeit und die europäische HARMONIC-Studie (HARMONIC = Health effects of cArdiac Radiofrequency ablation and Medical radiatION in paediatriC populations – ein europäisches Forschungsprojekt, das die Auswirkungen medizinischer Strahlenexposition untersucht).

Im Zentrum ihrer Promotion stehen niedrig dosierte ionisierende Strahlen und deren Einfluss auf die Gesundheit. Dabei arbeitet sie mit Daten aus einem sogenannten Level-3-Projekt der NAKO Gesundheitsstudie (MedExpo: Erfassung der medizinischen Strahlenexposition). Dort betreute sie als Studienkoordinatorin die Datenerhebung in den Studienzentren Bremen, Greifswald und Essen. Ein entscheidender Teil ihrer Arbeit ist die Validierung dieser Daten. „Wir vergleichen die Angaben aus den Fragebögen mit sogenannten Sekundärdaten“, erklärt Sehajpreet. Dies ist essenziell, um die Verlässlichkeit von Selbstangaben in der Forschung zu bewerten.

Darüber hinaus bereitet sie eine Machbarkeitsstudie für eine Strahlenbelastungs-Tabelle vor. Ziel ist es, ein Modell zu entwickeln, das die gesamte Belastung durch ionisierende Strahlung abbildet – also Strahlungsquellen aus der Umwelt, dem Beruf und der Medizin. Parallel dazu ist sie im europäischen Konsortium der HARMONIC-Studie aktiv, an der 24 Institutionen beteiligt sind, unter der Studienleitung von Isabelle Thierry-Chef. Dort untersuchen Forschende die Langzeiteffekte ionisierender Strahlung bei Kindern, die etwa aufgrund von Herzfehlern mittels Herzkatheter-Verfahren untersucht oder strahlentherapeutisch behandelt werden.

Warum sind deine Forschungsergebnisse relevant für alle Menschen ?

„Wir alle sind ionisierender Strahlung ausgesetzt – durch natürliche Quellen in der Umwelt wie dem radioaktiven Gas Radon oder durch medizinische Anwendungen wie CT-Untersuchungen. Obwohl der medizinische Einsatz von ionisierender Strahlung große Fortschritte in Diagnostik und Behandlung ermöglicht haben, bestehen weiterhin gewisse Unsicherheiten zu möglichen Langzeitrisiken von ihrem Einsatz im niedrigdosen-Bereich.“

Warum NAKO Daten unverzichtbar sind

Für ihre strahlenepidemiologischen Analysen sind die Daten der NAKO Gesundheitsstudie besonders wertvoll. „Durch groß angelegte Kohortenstudien wie der NAKO können wir der Forschungslücke im niedrigdosen Bereich begegnen und so evidenzbasierte Grundlagen für einen verbesserten Strahlenschutz schaffen.“, sagt Sehajpreet. Da die Studie einen Querschnitt der Allgemeinbevölkerung abbildet und äußerst umfangreiche Informationen erfasst, kann Sehajpreet wichtige Störfaktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum in ihren Berechnungen berücksichtigen. Zudem erlaubt das Längsschnittdesign der Studie, Zusammenhänge über die Zeit hinweg zu beobachten und mögliche kausale Beziehungen zu untersuchen.

YoungNAKO: Der Blick hinter die Kulissen

Obwohl Sehajpreet durch ihre Koordinationsarbeit die Abläufe der NAKO Studie gut kennt, bietet ihr das YoungNAKO Graduiertenprogramm eine neue Perspektive. „Datenmanagement ist das eine – aber zu sehen, wie die Daten entstehen, ist etwas ganz anderes“, sagt sie. Durch YoungNAKO konnte sie die Perspektiven sowohl der Study Nurses als auch der Teilnehmenden einnehmen. „Das hilft enorm, die Datenstruktur einzelner Module zu verstehen.“ Besonders schätzt sie den Austausch mit den anderen YoungNAKO-Teilnehmenden und den NAKO-Forschenden. Die NAKO-Expertengruppen (siehe: NAKO Expertengruppen) sind offen für Fragen – und schnell wird klar: Wissenschaft ist Teamarbeit.

Young NAKO

Mit dem Programm „YoungNAKO“ fördert der NAKO e.V. den Nachwuchs im Bereich der Epidemiologie.

Das YoungNAKO-Graduiertenprogramm ist ein Trainingsprogramm für Nachwuchsforschende, die mit Daten aus bevölkerungsbasierten Kohortenstudien wie der NAKO Gesundheitsstudie (NAKO) arbeiten. Die Absolventinnen und Absolventen des Programms werden darin geschult, ihre eigenen Studien auf der Grundlage von NAKO-Daten zu konzipieren und zu analysieren, und Fördermittel für zukünftige NAKO-bezogene Projekte zu beantragen.

Der Kurs hat eine hybride Struktur und ist in Präsenz- und Online-Veranstaltungen unterteilt. Darüber hinaus werden jährliche WinterSchools zu verschiedenen thematischen Schwerpunkten organisiert, um den Austausch und die Vernetzung mit anderen Studierenden, Professorinnen und Professoren sowie Forschenden zu fördern. 

Kooperationspartner:
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi)
Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS)

Wissenschaft ist kein Soloprojekt

Diese Erkenntnis ist auch ihre Kernbotschaft an andere Nachwuchsforschende. Für Sehajpreet sind die Study Nurses in den Studienzentren, die Fachkräfte für die Datendokumentation und die Programmierung genauso wichtig wie die wissenschaftlichen Leitungen. „Wir können viel von der Erfahrung der Senior Scientists lernen“, betont sie, „aber als Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bringen wir frischen Wind und neue Perspektiven mit.“

Der Blick in die Zukunft

Für die Zukunft wünscht sich Sehajpreet, dass die Daten der NAKO Gesundheitsstudie noch stärker für die Strahlenforschung genutzt werden – etwa durch Messungen der Radonkonzentration in Haushalten oder die systematische Erfassung von UV-Strahlung. Ihr persönliches Ziel bleibt dabei klar: belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse schaffen und diese so kommunizieren, dass sie verstanden werden und einen Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten.

Und nach einem langen Tag voller Datenanalysen? Da findet man Sehajpreet wahrscheinlich in einem Café, mit einem guten Cappuccino und einem Buch, bereit, neue Kraft zu tanken.

Jetzt bewerben: Start der zweiten Kohorte im Mai 2026

Die Bewerbungsphase für die zweite Kohorte des YoungNAKO-Graduiertenprogramms hat begonnen!

Bewerbungsfrist: 15. März 2026
Bewerbung per E-Mail an: YoungNAKO.grad@uni-muenster.de

Bewerben Sie sich jetzt und forschen Sie mit uns an den Fragen, die die Gesundheit von morgen bewegen!

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