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Gesichter der YoungNAKO: „Ich möchte mit Daten Menschen helfen“

Interview mit Martina Bouka, Mathematikerin und Doktorandin an der Charité – Berlin, Teilnehmerin im YoungNAKO-Graduiertenprogramm

Vom Mathefrust zur Begeisterung für Statistik: Als Teenager konnte sich Martina Bouka für Mathematik kaum erwärmen. Heute ist sie genau diese Sprache, die sie täglich nutzt, um in großen Datensätzen Muster zu erkennen und neue Zusammenhänge, die die Gesundheit betreffen, sichtbar zu machen. Ihr Weg führte sie von Ioannina über die USA bis nach Berlin – mit einem Ziel: Antworten auf komplexe Fragen der Gesundheitsforschung zu liefern.

Von Ioannina nach Berlin – ein klarer Weg

Martina hat in Griechenland Mathematik studiert und in den USA ihren Master gemacht, mit Nebenfach in Epidemiologie. Dort arbeitete sie erstmals mit Modellen für Infektionskrankheiten und entdeckte ihre Freude daran, abstrakte Statistik mit realen Gesundheitsfragen zu verbinden.

„Für meine Promotion wollte ich ein Umfeld, das methodische Tiefe und praxisnahe Forschung vereint. An der Charité und der Forschungsgruppe Molekulare Epidemiologie am Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin habe ich beides gefunden – die Möglichkeit, mit spannenden Langzeitdaten wie der NAKO Gesundheitsstudie zu arbeiten und gleichzeitig methodische Fragestellungen weiterzuentwickeln.“

YoungNAKO Graduiertenprogramm: Forschung zum Anfassen

Ein prägendes Erlebnis ist für sie das Graduiertenprogramm der YoungNAKO, das Nachwuchsforschenden praxisnahe Einblicke in die nationale Kohortenstudie bietet.

„Ohne YoungNAKO hätte ich vieles nicht gelernt, was mir noch lange in Erinnerung bleibt“, sagt Martina. Alle Teilnehmenden der YoungNAKO, haben neben Lerneinheiten auch die Gelegenheit die Arbeit in den Studienzentren kennenzulernen. So beobachtete auch Martina die Untersuchungen vor Ort, sprach mit Datenmanagerinnen, begleitete Abläufe bei der Magnetresonanztomografie und besuchte die Biobank in Berlin.

Diese Erfahrungen halfen ihr, zu verstehen, wie Rohdaten entstehen – und wie selbst kleine Details spätere Auswertungen beeinflussen können. Ein Beispiel, das sie besonders beeindruckte: Personen mit großflächigen Tattoos werden aus Sicherheitsgründen nicht für MRT-Untersuchungen zugelassen, da einige Farben Metallpartikel enthalten, die bei der Untersuchung heiß werden.

Forschung mit NAKO-Daten

NAKO-Daten sind zentraler Bestandteil ihrer Forschungsprojekte. Martina prüft zum Beispiel, ob bestimmte Entzündungsmarker ursächlich das Überleben bei Darmkrebs beeinflussen – Erkenntnisse, die langfristig für Prävention und Therapie relevant sein könnten.

Ein weiteres Projekt untersucht, wie stark methodische Entscheidungen die Ergebnisse verändern können. „Wir haben am Beispiel von Alkoholkonsum und Stoffwechselwerten gezeigt, dass je nach statistischem Ansatz ganz unterschiedliche Schlussfolgerungen entstehen“, berichtet sie. „Solche Arbeiten zeigen, wie entscheidend Methodik für valide Resultate ist.“

Aktuell nutzt sie kontinuierliche Glukosemessungen, um Alltagsmuster des Blutzuckers zu erforschen. Das Ziel: zu verstehen, wie Alter, Body Mass Index (BMI) oder das Stoffwechselprofil mit den beobachteten Mustern zusammenhängen – ein Schritt hin zu individueller, datenbasierter Prävention.

Zwischen Statistik und Realität: Forschen mit Geduld

Forschung ist für Martina nicht nur analytisch, sondern auch ausdauernd. „Manchmal musste ich eine Analyse komplett neu machen – das war frustrierend, aber Teil des Lernprozesses.“ Auch organisatorische Hürden kennt sie gut. „Datenanträge dauern oft Monate. Deshalb sollte man nur Projekte einplanen, für die bereits Teil-Daten verfügbar sind.“

Ihr Rat an Bewerbende im YoungNAKO-Kontext: realistische Zeitpläne, klare Fragestellungen und ein guter Überblick, welche Daten tatsächlich zugänglich sind. „Und: Netzwerke früh aufbauen – über YoungNAKO, Study-Center-Teams oder Mentoren. Diese Kontakte helfen ungemein.“

Mehr als Daten – ein Netzwerk der Möglichkeiten

Für Martina ist YoungNAKO mehr als ein Ausbildungsprogramm. „Es ist ein Netzwerk aus Praxis, Ausbildung und Austausch. Ich habe unglaublich viel gelernt – über die Abläufe, die Datenflüsse, aber auch über die Menschen, die hinter einer so großen Studie stehen.“

Abseits der Forschung liest Martina gern Romane, praktiziert Pilates und achtet auf bewusste Pausen. „Diese Balance hilft, fokussiert zu bleiben. Und am Ende sind es genau solche Momente, in denen man Kraft für neue Ideen schöpft.“ Ihre Motivation bleibt klar: „Ich möchte Menschen indirekt helfen – indem wir saubere, verständliche Ergebnisse liefern, die die Gesundheitsforschung wirklich voranbringen.“

Young NAKO

Mit dem Programm „YoungNAKO“ fördert der NAKO e.V. den Nachwuchs im Bereich der Epidemiologie.

Das YoungNAKO-Graduiertenprogramm ist ein Trainingsprogramm für Nachwuchsforschende, die mit Daten aus bevölkerungsbasierten Kohortenstudien wie der NAKO Gesundheitsstudie (NAKO) arbeiten. Die Absolventinnen und Absolventen des Programms werden darin geschult, ihre eigenen Studien auf der Grundlage von NAKO-Daten zu konzipieren und zu analysieren, und Fördermittel für zukünftige NAKO-bezogene Projekte zu beantragen.

Der Kurs hat eine hybride Struktur und ist in Präsenz- und Online-Veranstaltungen unterteilt. Darüber hinaus werden jährliche WinterSchools zu verschiedenen thematischen Schwerpunkten organisiert, um den Austausch und die Vernetzung mit anderen Studierenden, Professorinnen und Professoren sowie Forschenden zu fördern. 

Kooperationspartner:
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi)
Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS)

Jetzt bewerben: Start der zweiten Kohorte im Mai 2026

Die Bewerbungsphase für die zweite Kohorte des YoungNAKO-Graduiertenprogramms hat begonnen!

Bewerbungsfrist: 15. März 2026
Bewerbung per E-Mail an: YoungNAKO.grad@uni-muenster.de

Bewerben Sie sich jetzt und forschen Sie mit uns an den Fragen, die die Gesundheit von morgen bewegen!

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