Interviews mit teilnehmenden Fußballer*innen

Hier finden Sie Interviews mit ehemaligen Fußballprofis, die an der SoccHealth-Study teilnehmen.

Axel Schulz über seine Treue zum F.C. Hansa Rostock, den Profisport in der DDR und seine Teilnahme an der NAKO-Fußballstudie

Für unser neuestes Interview haben wir den ehemaligen Fußball-Profi Axel Schulz getroffen und mit ihm über seine Karriere und seine Teilnahme an unserer Fußball-Studie gesprochen.

Axel Schulz (Quelle: privat)

Fotoquelle: privat.

Fotoquelle: privat.

 

Warum nehmen Sie an der Fußballstudie teil?

Weil ich mir dachte, dass es nie verkehrt sein kann, mehr über die eigene Gesundheit zu erfahren. Ich unterstütze die Studie sehr gerne, da sie ein Beitrag zur Forschung ist, und bin gespannt auf die Ergebnisse.

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen?

Ich habe mit 8 Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Der F.C. Hansa Rostock war mein erster Verein, und ich war, bis ich mit 34 aufgehört habe, nie woanders. Damals mit 8 habe ich aber noch keinen Gedanken daran verschwendet, wie es sein könnte, Profi zu werden. Millionen von Jungs finden Fußball cool, und ich war eben einer von ihnen. Mein Vater war Sportjournalist und hat viel über den Verein berichtet, und wir haben zudem nur 3 Minuten vom Stadion entfernt gewohnt. Daher war Hansa Rostock schon in meiner Kindheit sehr präsent.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Mehrere, aber ein besonderes war sicher, dass wir mit Hansa Rostock 1991 letzter DDR-Meister geworden sind. Der Titelgewinn bedeutete auch, dass wir uns für die Bundesliga qualifiziert hatten. Im gleichen Jahr sind wir dann auch noch Pokalsieger geworden – das war einfach toll!

Nach Ihrer Karriere als Profispieler waren Sie zunächst als Trainer tätig?

Ich habe bis 1993 gespielt und war danach eine Zeit lang ohne Job. Durch eine sogenannte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, also eine durchs Arbeitsamt geförderte Stelle, habe ich als Nachwuchstrainer beim PSV Rostock angefangen und für ein Jahr auch die Damenmannschaft des Vereins trainiert, die damals in der Bundesliga spielte. Ende der 90er-jahre wurde der Frauenfußball allerdings noch nicht so professionell betrieben wie heute. Es hat aber dennoch mit beiden Mannschaften sehr viel Spaß gemacht.

Sie sind dann wieder zum F.C. Hansa Rostock zurückgekehrt, haben unter anderem auch als Pressesprecher für den Verein gearbeitet – wie kam es dazu?

Ich hatte parallel zu meiner Karriere als Fußballer noch Deutsch auf Lehramt studiert. In der DDR war es üblich, dass man neben dem Fußball noch eine berufliche Ausbildung absolviert hat. Ich habe zwar nie als Deutschlehrer gearbeitet, aber als dann die Stelle als Pressesprecher frei wurde, stellte das abgeschlossene Studium eine gute Basis für den Job dar, den ich von 1996 bis 2009 ausgeübt habe.

Was machen Sie mittlerweile beruflich?

Ich bin immer noch bei Hansa, jetzt als Koordinator Sport. In der Funktion habe ich viel mit organisatorischen Sachen sowohl bei der ersten Mannschaft als auch bei den Teams unserer Nachwuchsakademie zu tun und ich bearbeite Anfragen, die den Verein erreichen. Zudem gebe ich Stadionführungen – das macht großen Spaß, weil man viele Leute kennenlernt und es immer sehr abwechslungsreich ist.

Sein ganzes Leben lang einem Verein treu zu bleiben, ist ja schon etwas Besonderes. Wollten Sie nie etwas anderes machen?

Ich glaube, dass aus mir auch ein passabler Grundschullehrer geworden wäre, aber insgesamt bin ich zufrieden damit, wie sich alles ergeben hat. Und es ist ja auch sehr schön, dass die Verbindung zum Verein so lange bestehen geblieben ist.

Sind Sie heute noch sportlich aktiv?

Auf Fußball hatte ich nicht mehr besonders viel Lust nach der aktiven Karriere. Mittlerweile fahre ich öfters mal Fahrrad und ich versuche, viele Wege zu Fuß zu erledigen. Intensiverer Sport ist nicht mehr drin, dazu tun die Knochen dann doch zu sehr weh. Das sind mit Sicherheit auch Nachwirkungen des Trainings in der DDR. Wir haben als Fußballer damals anders trainiert als es heute in Deutschland der Fall ist. Die Umfänge waren sehr groß, weil man sich an den Trainingsplänen anderer sehr erfolgreicher Sportarten wie z.B. Schwimmen oder Leichtathletik orientiert hat. Aber ich will nicht klagen, im Großen und Ganzen ist alles in Ordnung.

Schauen Sie heute noch Fußball?

Ich schaue mir auch jetzt noch Spiele an, aber nicht mehr so intensiv. Dafür gibt es auch zu viele andere Dinge, mit denen ich stattdessen meine Freizeit verbringe: Ich habe drei Enkel, mit denen ich viel Spaß habe und die mich ordentlich auf Trab halten. Außerdem wohne ich direkt am Strand und mache jeden Tag einen Spaziergang am Wasser; das ist sehr entspannend.

Bastian Hellberg über seine Teilnahme an der NAKO-Fußballstudie, seine Karriere bei Hannover 96 und die Europameisterschaft

Die EM ist zwar vorbei, doch die NAKO-Fußballstudie geht weiter: Bastian Hellberg, ehemaliger Profi-Fußballer und heutiges Aufsichtsratsmitglied bei Hannover 96, hat uns ein Interview zu seiner NAKO-Teilnahme, seiner Fußball-Karriere und der Europameisterschaft gegeben.

Bastian Hellberg (Quelle: Niedersächsischer Fußballverband)

Bastian Hellberg (Quelle: Niedersächsischer Fußballverband)

Bastian Hellberg für Hannover 96 beim Spiel gegen den KSC (Quelle: Hannover 96)

Bastian Hellberg für Hannover 96 beim Spiel gegen den KSC (Quelle: Hannover 96)

Warum haben Sie sich entschieden, an der NAKO-Fußballstudie teilzunehmen, und wie war Ihre Untersuchung?

Ich habe die Einladung erhalten und dachte mir „Warum nicht?“ Ich helfe gerne, und durch meine Teilnahme kann ich einen Beitrag für die Wissenschaft leisten. Über die Untersuchung an sich kann ich auch nur Gutes sagen: Die Atmosphäre im Studienzentrum Hannover war angenehm, und das Personal sehr nett und kompetent.

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen, und wie sind sie Profi geworden?

Ich habe drei ältere Geschwister, die aber alle kein Fußball gespielt haben, sondern geschwommen sind. Mit sechs Jahren habe ich mit Fußball angefangen, aber das Ziel, Profi zu werden, hatte ich nie. Ich würde sagen, mein Talent hat für die Profi-Karriere ausgereicht, und dann kam eben noch das nötige Quäntchen Glück dazu.

Tatsächlich hatte ich auch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften angefangen, das ich dann aber zugunsten des Fußballs abgebrochen habe, als ich mit 20 zu Hannover 96 wechselte. Da ich neben dem Fußball aber noch etwas anderes machen wollte, und es für Hannover 96 damals alles andere als gut lief, entschied ich mich später jedoch, neben dem Fußball eine Ausbildung zum Bankkaufmann zu absolvieren. Das war im selben Jahr, als wir in die Bundesliga aufgestiegen sind, und ich auch noch Kapitän der Mannschaft war – sehr stressig, aber es hat sich ja letztendlich ausgezahlt.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ein ganz klares Karriere-Highlight war der Aufstieg von Hannover 96 in die Bundesliga im Jahr 1985. Im Kader waren damals 16 teilweise noch sehr junge Hannoveraner, wie auch ich, und alle Experten sagten voraus, dass wir zu Saisonende auf Platz 20 der Tabelle stehen, und somit in die Regionalliga absteigen würden. Beim letzten Spiel der Saison gegen Hertha BSC ging es für uns um alles, und wir schafften es tatsächlich, das Spiel zu gewinnen und direkt  in die die Bundesliga aufzusteigen. Die Euphorie in dem ausverkauften Stadion war riesig.

Wie ging es nach der Profi-Karriere für Sie weiter?

Ich hatte ja während der Zeit als Profi bereits eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert, und danach nebenbei drei Jahre lang ein Sportgeschäft betrieben. Als meine Profi-Karriere endete, arbeitete ich zunächst 2-3 Jahre in der Finanzbranche, und machte parallel dazu die A-Lizenz als Trainer .

Mit Anfang 30 entschied ich mich, dass ich gerne im Fußballbereich bleiben würde, und wurde 2005 Direktor des Niedersächsischen Fußballverbandes. Wenige Menschen sind sich darüber bewusst, wie viel Arbeit in einem solchen Fußballverband steckt: Der Niedersächsische hat 670.000 Mitglieder und richtet pro Jahr ca. 400.000 Spiele aus.

1997 wurde ich dann quasi „gegen meinen Willen“ Vizepräsident bei Hannover 96: Dem Verein ging es finanziell sehr schlecht, und er spielte in der 3. Liga. Als Hannoveraner wollte ich in der Situation natürlich helfen. Ein Jahr später schafften wir tatsächlich den Aufstieg in die 2. Liga, woraufhin ich mich entschied, zurückzutreten, da ich diesem Ehrenamt neben meinem eigentlichen Job und der Familie zeitlich nicht gerecht werden konnte. Vor zwei Jahren wurde ich dann Mitglied des Aufsichtsrats von Hannover 96.

Sind Sie immer noch sportlich aktiv?

Ich habe auch nach meiner aktiven Karriere noch sehr gerne Fußball und auch Tennis gespielt. Aufgrund eines Knorpelschadens ist das mittlerweile aber leider mit Schmerzen verbunden, daher werde ich es jetzt wohl auch mit Schwimmen versuchen und hoffen, dass es auch mit dem Fußball irgendwann wieder schmerzfrei klappt.

Leider ist die deutsche Nationalmannschaft bei der EM bereits ausgeschieden. Denken Sie, dass es nächstes Jahr, bei der WM, besser laufen wird?

Ich denke, das frühe Ausscheiden der Mannschaft war abzusehen, denn sie spielt mittlerweile leider nicht mehr auf Top-Nivea. Zudem haben die anderen aufgeholt: Mittlerweile gibt es 20-30 Teams, die alle auf Augenhöhe spielen. Für den deutschen Fußball ist das eine schwierige Phase, ich drücke Hansi Flick die Daumen, dass es bei der WM nächstes Jahr besser laufen wird.

„Ich hoffe, die Studie hilft dabei, herauszufinden, was man in Zukunft im Leistungssport besser machen kann.“ – Uwe Brunn über die NAKO-Fußballstudie, Straßenfußball und Elfmeterschießen

Kurz vor dem Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft haben wir den ehemaligen Fußballprofi Uwe Brunn im Rahmen der NAKO-Fußballstudie interviewt.

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Uwe Brunn (Quelle: privat)

Uwe Brunn (Quelle: privat)

Warum nehmen Sie an der Fußballstudie teil?

Ich finde das Konzept der Studie super! Als Leistungssportler interessiert es mich, wie sich im Alter gesundheitlich alles entwickelt, und welche Auswirkungen die Profi-Karriere auf die Gesundheit hat. Heute ist der Profisport schon viel weiter als damals. Wir haben früher aus Unwissenheit beispielsweise im Training so manche Übungen gemacht, von denen man heute weiß, dass sie schlecht für den Körper sind. Ich hoffe, die Studie hilft auch dabei, herauszufinden, was man in Zukunft im Leistungssport besser machen kann.

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen? Und wie kam es dazu, dass Sie Torwart wurden?

Ich habe mit 6-7 Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Ich bin in Westberlin aufgewachsen, und wir waren ja noch eine Generation der Straßenfußballer. Wir haben gekickt, bis es draußen dunkel wurde. Da ich „lauffaul“ war, aber ein gewisses Talent besaß, bin ich letztendlich Torwart geworden.

Wie wurden Sie Profi-Spieler?

Mit 13 bin ich zum BFC Preußen gewechselt, wo ich zum ersten Mal Torwarttraining bekam. Da Westberlin zu Westdeutschland gehörte, konnten wir auch am Länderpokal teilnehmen, der einmal im Jahr stattfand. Dazu reisten wir im Frühjahr 1985 nach Duisburg, und bei diesem Turnier wurde ich dann von Berti Vogts entdeckt und erhielt eine Einladung zu meiner ersten U-Nationalmannschaft. Mit 17 bin ich dann vom BFC Preußen zum 1. FC Köln gewechselt.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich habe sogar zwei: 1987 waren wir mit der U20-Nationalmannschaft bei der WM in Chile und wurden dort Vize-Weltmeister. Beim Finale gegen Jugoslawien, das wir knapp verloren, waren 80.000 Menschen im Stadion – das war eine unglaubliche Atmosphäre. Aber auch die vier Wochen davor, die wir in Chile verbrachten, waren wunderbar.

Mein zweites Highlight ereignete sich am 1. Juni 2000, beim Aufstiegsspiel des VfL Osnabrück gegen Union Berlin. Es kam zum Elfmeterschießen bis kurz vor Mitternacht, und da beide Mannschaften aufgrund von roten Karten nur noch zu zehnt auf dem Platz standen, musste ich – als Torwart – nach dem 9. Spieler unserer Mannschaft einen Elfmeter schießen. Davor hatte ich es geschafft, einen Elfer des gegnerischen Teams zu halten, mein eigener Schuss traf, und danach hielt ich auch noch den Elfmeter meines Torwartkollegen Kay Wehner. Das war schon etwas ganz Besonderes.

Sie haben Ihre Karriere aufgrund einer Verletzung beendet, spüren Sie davon Folgen davon heute noch?

Ich musste meine Karriere aufgrund eines Risses des hinteren Kreuzbandes beenden. Ein Riss des vorderen Kreuzbandes, wie er meistens vorkommt, kann operiert werden, beim hinteren Kreuzband ist das leider nicht der Fall.

Meine Verletzung ist mittlerweile 18 Jahre her, aber ich kann immer noch nur wenig Sport treiben deswegen. Ich kann damit leben; es ist nicht schön, aber es könnte natürlich auch schlimmer sein.

Sie haben sehr lange für den VfL Osnabrück gespielt, bleibt auch nach der Profi-Karriere eine Verbindung zum Verein bestehen?

Ich habe 12 Jahre für den VfL Osnabrück gespielt und hätte auch weitergemacht, wenn meine Verletzung nicht dazwischengekommen wäre. Zwischen 2014 und 2017 war ich zudem Vizepräsident des Vereins. Aber auch, wenn ich das mittlerweile nicht mehr bin, bleibt die Verbundenheit zum Verein natürlich bestehen, und diese Verbundenheit wird für immer da sein.

Was machen Sie beruflich und wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Seit 2004 bin ich selbstständiger Handelsvertreter einer Niedersächsischen Versicherung. In meiner Freizeit spiele ich ab und zu Golf, ansonsten habe ich einen sehr netten Freundeskreis und zwei erwachsene Kinder, mit denen ich gerne Zeit verbringe. Meine Frau und ich haben uns zudem eine Wohnung an der Ostsee gekauft, wo wir so oft wie möglich hinfahren.

Denken Sie, dass die deutsche Nationalmannschaft bei der WM nächstes Jahr bessere Chancen hat als bei der diesjährigen EM?

Ich hoffe, dass es bei der WM nächstes Jahr besser für die Mannschaft laufen wird. Hansi Flick hat andere Ansatzpunkte als Jogi Löw. Ich glaube mit so vielen Talenten und so vielen guten Spielern, die ihm zur Verfügung stehen, kann man schnell eine Kehrtwende schaffen, die nicht erst über Jahre hinweg entwickelt werden muss. Natürlich darf man Jogi Löws Verdienste nicht kleinreden, aber ich denke, dass wir mit Hansi Flick bei der nächsten WM besser abschneiden werden. Er hat eine tolle Art, mit den Spielern umzugehen, und mit dem nötigen Quäntchen Glück können wir weit kommen.

Wer ist Ihr Favorit für den EM-Titel?

Das Herz sagt natürlich Dänemark, aber fußballerisch gesehen bin ich auch ein großer Fan von Italien. Der Zusammenhalt der Mannschaft gefällt mir, und man merkt einfach, dass sie auf dem Platz eine starke Einheit bilden.

„Ich möchte einen Beitrag für die Zukunft leisten“ – Ditmar Jakobs über seine NAKO-Teilnahme, die WM und das Leben nach dem Profi-Sport

Passend zum heutigen Start der Fußball-EM haben wir wieder einen ehemaligen Profispieler interviewt: Ditmar Jakobs hat mit uns über seine Karriere und die Gründe für Teilnahme an der NAKO-Fußballstudie gesprochen.

Ditmar Jakobs (Quelle: privat)

Ditmar Jakobs (Quelle: privat)

Jakobs Autogrammkarte

Warum nehmen Sie an der Fußball-Studie der NAKO teil?

Mein Bruder ist ebenfalls ehemaliger Profifußballer. Er lebt in Berlin und nimmt auch an Studie teil. Durch ihn habe ich von der Fußball-Studie erfahren, und hatte zwei Tage später ebenfalls die Einladung im Briefkasten.

Ich habe mich entschieden, teilzunehmen, weil ich wissen möchte welche berufsbedingten Spätfolgen der Profisport mit sich bringt. Wenn man, wie ich, 18 Jahre lang Berufssportler war, geht das sicher nicht spurlos an einem vorbei. Es interessiert mich, was durch solche Studien alles festgestellt werden kann, und ich möchte auch einen Beitrag für die Zukunft leisten: Ich hoffe, dass die Ergebnisse auch dazu beitragen, dass nachfolgende Generationen es leichter haben.

Wann haben Sie mit dem Fußball angefangen? Und wie kam es dazu, dass Sie Profi geworden sind?

Mit fünf Jahren habe ich angefangen, zu spielen. Für mich kam immer nur dieser Sport infrage.

Bis ich 16 oder 17 war, habe ich beim Amateurverein DJK Arminia Lirich gespielt. Eines Tages hat mich dann der Trainer von Rot-Weiß Oberhausen in die A-Jugend seines Vereins geholt – und von dort aus ging es dann direkt in die Bundesliga. Mit dem heutigen Fußball ist das nicht mehr vergleichbar; heute werden die Jugendlichen normalerweise viel früher von Scouts gesichtet und in die Profi-Vereine geholt.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, welches Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Mein erstes Bundesliga-Spiel, als ich 18 Jahre alt war, war natürlich ein ganz besonderer Moment. Viele Highlights gab es auch beim Hamburger SV, zum Beispiel die Meisterschaften, und die Momente als wir den DFB-Pokal oder auch den Europa-Pokal gewonnen haben.

Ein außergewöhnliches Erlebnis war auch das Endspiel um die Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko. Ich stand plötzlich auf dem Platz, obwohl ich gar nicht damit gerechnet hatte. Davor hatte ich nämlich drei Jahre nicht für die Nationalmannschaft gespielt, und war zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaft auch schon 32 Jahre alt und dachte bereits an meinen Abschied. Der Grund für mein Comeback war Franz Beckenbauer: Er war bereits in Hamburg mein Mannschaftskollege gewesen, und als er Trainer der Nationalmannschaft wurde, holte er mich zurück. Ich fuhr mit zur WM, rechnete aber nicht mit einem Einsatz. Doch dann verletzten sich einige Kollegen, sodass ich bereits im 2. WM-Spiel und schließlich auch im Finale spielte.

Der Grund für Ihr Karriere-Ende war eine Verletzung: beeinflusst diese Sie noch heute? Und was machen Sie mittlerweile beruflich? Sind Sie immer noch sportlich aktiv?

Ich habe auch heute immer noch einige Probleme aufgrund der Verletzung, aber man lernt damit zu leben. Ich würde trotzdem wieder alles so wieder machen, wie ich es gemacht habe.

Nach dem Ende meiner Profi-Karriere bin ich bei zwei ambulanten Rehabilitationszentren geschäftlich eingestiegen, eines in Altona und eines in Winterhude. Anfang der 2000er Jahre mussten wir leider schließen, aber ich hatte mir zu dem Zeitpunkt bereits ein zweites Standbein aufgebaut, das jetzt zu meinem Hauptberuf geworden ist: Ich habe eine Versicherungsagentur aufgebaut. Einige Berufsfußballer sind bei mir versichert, aber wir haben auch viele ‚normale‘ Klienten.

Sportlich aktiv kann ich leider nicht mehr sein. Im Alter spürt man leider die Spätfolgen von der Zeit als Aktiver. Damals wurde aber auch anders mit Verletzungen umgegangen als heute: wir haben einfach trotzdem weitergespielt. Deshalb treibe ich, wie gesagt, leider wenig Sport, mache aber dennoch jedes Jahr eine längere Fahrradtour mit meiner Frau, beispielsweise an der Nordsee.

Claudia Müller mit Elan bei der Fußball-Studie

Im Rahmen der Fußballstudie haben wir die ehemalige Profispielerin Claudia Müller zu ihrer Teilnahme und ihrer Karriere interviewt.

Quelle: Studienzentrum Berlin-Nord

Quelle: Studienzentrum Berlin-Nord

Ein Bild von Claudia Müller hat sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt: Wie sie bei einem Torjubel vor Begeisterung mit dem Trikot über dem Kopf über den Platz rennt. Was die Wenigsten aber wissen, ist, dass sich die ehemalige Sportlerin nun auch der Gesundheitsforschung verschrieben hat. Als eine der ersten Fußballerinnen hat sie an der Untersuchung und Testung im Rahmen der Fußball-Studie (Soccer-Health-Studie) teilgenommen. Die Soccer-Health-Studie wird von der Deutschen Fußball Liga (DFL), dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), der gesetzlichen Unfallversicherung VBG und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der NAKO durchgeführt.

Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens können sich ehemalige Fußball-Profis eines der 18 NAKO Studienzentren auswählen. An diesem Ort durchlaufen sie dieselben Untersuchungen und Testungen wie die NAKO Teilnehmenden.

Claudia Müller hat das NAKO Studienzentrum in Berlin Nord gewählt, um an der MRT-Untersuchung teilnehmen zu können. Die Entfernung zum Wohnort – Braunschweig – war nebensächlich.

Im Laufe ihrer Profikarriere hat die  gebürtige Bremerin bereits viele medizinische Untersuchungen gehabt, doch  die NAKO ist etwas vollkommen Neues für sie: „Ich habe die Informationen zur Soccer Health Studie über den DFB bekommen und war sofort interessiert“, erzählt sie, „Es ist das erste Mal, dass ich mich der Wissenschaft zur Verfügung stelle und durch meine Teilnahme an der Soccer-Health Studie trage ich konkret dazu bei, Erkenntnisse zur Verbesserung der Prävention und Behandlung von Erkrankungen des zukünftigen Fußball-Nachwuchs zu gewinnen. Zudem bekommt man auch aktuelle Informationen über die eigene Gesundheit.“

Quelle: https://www.faz.net/aktuell/sport/frauen-em-deutschland-dank-golden-goal-europameister-130683.html

Quelle: https://www.faz.net/aktuell/sport/frauen-em-deutschland-dank-golden-goal-europameister-130683.html

Claudia Müller

Claudia Müller (Quelle: privat)

Müllers Werdegang als Fußballerin:

Ihre Fußball-Karriere begann schon früh: „Ich habe mich schon immer für Fußball interessiert und habe in der Grundschule mit dem Spielen begonnen. Mit 8 trat ich in den ersten Verein ein, damals eine reine Jungenmannschaft.“

Später spielte sie unter anderem für die Profivereine Hannover, Frankfurt und Wolfsburg. In der Saison 1997/98 erzielte sie 33 Tore in 29 Ligaspielen, was eine außergewöhnlich hohe Quote von 1,13 Toren pro Spiel bedeutete.

Zudem absolvierte sie ab 1996 insgesamt 45 Länderspiele in der Nationalmannschaft und konnte dabei 22 Tore erzielen. „Ein Highlight war für mich ganz klar die Bronzemedaille, die ich mit der Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000 mit nach Hause nehmen durfte.“ Eine weitere besondere Station ihrer Karriere war ihr letztes Spiel mit der Nationalmannschaft bei der EM gegen Schweden: In der 98. Minute erzielte sie das Golden Goal und brachte ihrer Mannschaft damit den EM-Sieg.

Ihr letztes Ligaspiel hatte Müller am 22. Mai 2005 gegen den SC Freiburg, und beendete danach ihre Profikarriere mit 31 Jahren.

Noch während der der Profikarriere machte Müller eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau und studierte nach der Fußballkarriere Betriebswirtschaft. Heute arbeitet sie für einen IT-Dienstleister. Sportlich aktiv ist sie noch immer, mittlerweile, aber eher mit dem Rennrad oder dem Kajak.

Ex-Fußball-Profi und Zeitzeuge Sven Kretschmer im NAKO Studienzentrum Berlin Nord

Der ehemalige Fußball-Profi ist einer der ersten unter den Teilnehmer*innen der Fußball-Studie, einem Forschungsvorhaben von DFB, DFL, VBG, BMBF und NAKO. Anlässlich seiner Untersuchung im NAKO Studienzentrum Berlin Nord erzählt er von den Gründen für die Teilnahme an der Fußball-Studie, seiner Karriere als Spieler und warum er zum Zeitzeugen wurde.

Quelle: Studienzentrum Berlin-Nord

Quelle: Studienzentrum Berlin-Nord

Sven Kretschmer

Sven Kretschmer (Quelle: privat)

Aus welchem Grund nehmen Sie an der Fußball-Studie der NAKO teil?

Ich fand das Thema der Studie sehr spannend, und auch meine Familie war von der Idee begeistert. Es ist das erste Mal, dass ich an einer wissenschaftlichen Studie teilnehme. Regelmäßig lasse ich mich medizinisch checken, die Ergebnisse sind nur für mich relevant. Aber jetzt habe ich durch die Studie die Möglichkeit erhalten zu schauen, wie ich–im Vergleich zu anderen NAKO Teilnehmern stehe. Als Sportler lasse ich mir diese Herausforderung nicht entgehen (😉). Sportlicher Ehrgeiz gepaart mit Fairness und Verantwortung: das sind meine Prinzipien als ehemaliger Fußballer, als Talentscout, als Mitmensch.

Haben Sie ein Erlebnis in Ihrer Karriere, welches Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Hier gibt es einiges zu nennen: Das erste Spiel im Olympiastadion natürlich und den Aufstieg von Hertha in die Bundesliga in den 90er Jahren habe ich ebenfalls noch in sehr guter Erinnerung. Ein ganz besonderes Karriere-Highlight gab es 1989: Zwei Tage nach dem Mauerfall spielte die Hertha gegen Wattenscheid. Bei dem Spiel konnte ich ein wichtiges Tor erzielen. 30 Jahre später wurde ich sogar als Zeitzeuge zum Thema Deutsche Einheit eingeladen, um Schulklassen und anderen interessierten Hörern davon zu berichten.“

Wann haben Sie mit dem Fußball angefangen?

Der Fußball war der rote Faden in meinem Leben– schon als Kind habe ich immer davon geträumt, im Olympiastadion zu spielen! Sobald ich laufen konnte, habe ich gespielt. Mit 5 Jahren begann ich, im Verein zu spielen, mit 14 begann für mich der Leistungssport – und mit 17 spielte ich Profifußball.

Was machen Sie mittlerweile, nach der Profi-Karriere, beruflich?

Dem Fußball bin ich auch nach der Profikarriere treu geblieben: Heute bin ich Chefscout bei Hertha BSC. In meiner Freizeit finde ich im Sport immer noch einen Ausgleich – zwar nicht mehr im Fußball, aber dafür im Boxen und Golf.

Engagiert auch nach der Profikarriere: Melanie Behringer als NAKO Botschafterin

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