Interviews mit teilnehmenden Fußballer*innen

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Interviews mit teilnehmenden Fußballer*innen

Hier finden Sie Interviews mit ehemaligen Fußballprofis, die an der SoccHealth-Study teilnehmen.

„Ich wollte unbedingt an dieser einzigartigen Studie teilnehmen“ – Gerd Weber über seine NAKO-Teilnahme, seine Profikarriere in der DDR und seine Flucht nach Westdeutschland

Vor kurzem haben wir den ehemaligen Fußballprofi Gerd Weber von Dynamo Dresden interviewt: Er erzählt uns unter anderem von seiner Teilnahme an den olympischen Spielen und dem Doping-System in der DDR:

Foto: privat

Foto: privat

Warum nehmen Sie an der Fußballstudie teil und wie war Ihre Untersuchung im Studienzentrum Mannheim?

Ich war positiv überrascht von der Untersuchung im Studienzentrum Mannheim: Alles war super organisiert. Ich hatte noch nie so viele Untersuchungen und Tests an einem Tag, und einige davon waren absolutes Neuland für mich. Das war sehr interessant!

Mich interessiert die Fußball-Studie sehr, und ich bin froh, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, daran teilzunehmen. Ich bin mir sicher, dass meine aktive Zeit meinen jetzigen Gesundheitszustand beeinflusst hat, und möchte gerne wissen, ob das auch von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus bestätigt werden kann. Daher wollte ich unbedingt an dieser einzigartigen Studie in einem so hochqualitativen Umfeld teilnehmen, und mich im Studienzentrum Mannheim durchchecken lassen. Auch aus persönlichen Gründen ist die Studie interessant für mich: Mein kleiner Bruder, mein großer Bruder und mein Vater sind alle an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gestorben, hatten aber alle keine sportliche Vergangenheit. Daher wollte ich erfahren, wie gut meine Werte aus dem Belastungs-EKG waren.

 

Wann haben Sie angefangen, Fußball zu spielen, und wie wurden Sie Profi?

Ich habe mit 12 angefangen, im Verein FSV Lokomotive Dresden zu spielen. In der DDR gab es damals ein Sichtungssystem für junge Fußballer, das sehr gut funktioniert hat. Ich kam in eines von fünf Leistungszentren, die den heutigen Fußballschulen der Bundesligaclubs nicht unähnlich waren, und bereits im Alter von 14 Jahren haben wir zweimal am Tag trainiert, und der gesamte Schulalltag ist nach dem Sport geregelt worden. Die Vermarktung der sportlichen Erfolge war ein starkes Marketing-Instrument in der DDR. Der Staat konnte wirtschaftlich nicht viel bieten, aber hat beispielsweise bei den olympischen Spielen 1976 insgesamt 90 Medaillen geholt (zum Vergleich: die BRD gewann nur 39, Anm. d. R.). Das lag unter anderem aber natürlich auch am Doping-System, das der Staat perfektioniert hatte: Das Doping hat viel zum Muskelaufbau und Fettverlust beigetragen; als ich bei besagten olympischen Spielen auf dem Platz stand, hatte ich nur noch einen Körperfettanteil von 2%. Leider kann man nicht nachweisen, ob das damalige Doping nachhaltige Auswirkungen auf meine heutige gesundheitliche Verfassung hatte, aber auf alle Fälle wurde im Fußball nicht so intensiv gedopt wie z. B. in der Leichtathletik oder beim Schwimmen, denn während der Fußballer jede Woche spielen muss, liegt bei vielen anderen Sportarten der ganze Fokus auf Turnieren wie Olympia, EM oder WM.

 

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich wurde mit 20 Olympia-Sieger, das war mein absoluter Höhepunkt. Leider habe ich nur bis 25 gespielt, aber in der kurzen Zeit wurde ich dreimal DDR-Meister und einmal Pokalsieger. Mit Dynamo Dresden hatte ich auch 35 Europapokalspiele, das waren echte Highlights.

Foto: privat.

Foto: privat.

Foto: privat.

Foto: privat.

Warum haben Sie nur bis zu Ihrem 25. Lebensjahr gespielt?

Weil ich Pläne hatte, aus der DDR zu fliehen, die aber gescheitert sind: Ich hatte ein Europokalspiel in den Niederlanden und wollte von dort aus in den Westen fliehen. Allerdings hatte ich einige Monate zuvor meine jetzige Frau kennengelernt und brachte es nicht übers Herz, ohne sie zu gehen. Als ich wieder zurück in der DDR war, erfuhr ich, dass die Leute, die mir bei meiner Flucht helfen wollten, mich verraten hatten. Ich musste ein Jahr ins Gefängnis und durfte nicht mehr Fußball spielen. Dieses abrupte Karriereende hat mich sehr traurig gemacht, aber heute habe ich damit meinen Frieden gemacht und erinnere mich gerne an die wunderbare Fußballzeit zurück. Einige Jahre später bin ich dann tatsächlich zusammen mit meiner Frau und meiner Tochter nach Westdeutschland geflüchtet – dieses Mal erfolgreich.

 

Wie ging es in Westdeutschland für Sie weiter?

Ich machte zunächst eine Umschulung: In der DDR hatte ich fünf Jahre lang in Leipzig studiert und wollte Diplomsportlehrer werden. Ich stand kurz vor dem Abschluss, wurde allerdings nach meinem ersten – gescheiterten – Fluchtversucht 1981 exmatrikuliert und machte nach meiner Entlassung aus dem Gefängnis eine Lehre zum KFZ-Mechaniker. Als wir dann in die Bundesrepublik kamen, wusste ich, dass ich eigentlich etwas anderes machen wollte. Daher trat ich mit 33 die zweijährige Ausbildung zum Industriekaufmann an, die ich auch erfolgreich absolvierte. Ich arbeitete zunächst im Kundendienst eines großen Autohauses, baute ein Haus für meine Familie und bin heute fast genauso lange in der Bundesrepublik Deutschland, wie ich in der DDR gewesen bin – 33 Jahre.

 

Haben Sie heute körperliche Beschwerden aus Ihrer Profizeit?

Ich leide unter Arthrose, aber das muss nicht unbedingt aus der Profizeit stammen. Allerdings habe ich ein künstliches Kniegelenk, und meine Ärzte haben mir bescheinigt, dass es zum starken Verschleiß meines Knies aufgrund der DDR-Trainingsmethoden kam: Wir mussten teilweise mit Gewichten aus 1,5 Meter Höhe springen, das war sehr gelenkschädigend. Etwa 50% meiner damaligen Mitspieler haben heute künstliche Knie- oder Hüftgelenke, das kommt sicher von der hohen Trainingsintensität. Wir haben damals am Tag zweimal 120 Minuten trainiert, heute trainieren die Profis nur einmal am Tag 90 Minuten. Wir haben auch sonntags, und sogar nach unseren Spielen noch trainiert. Das war sehr intensiv, aber dafür waren wir ausdauernd und hatten nie Wadenkrämpfe.

Meiner Meinung nach sind die heutigen Trainingsmethoden zwar schonender für die Gelenke, aber teilweise auch viel zu wissenschaftlich: Da wird mit allen möglichen Gerätschaften trainiert, alles wird gefilmt und ausgewertet, sodass das Ganze schon roboterhaft wirkt. Daran merkt man, dass sich mittlerweile vieles nur noch ums Geld dreht: Je höher man spielt, desto mehr Geld verdient man. Ob das den Fußball besser macht, muss wohl jeder für sich herausfinden…

 

Was machen Sie mittlerweile beruflich?

Ich bin mittlerweile seit anderthalb Jahren in Rente; davor habe ich 28 Jahre lang in einem Versicherungsbüro gearbeitet.

 

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit? Fußball spielen?

In meiner Freizeit spiele ich nur noch selten Fußball, da die Gefahr von Verschleiß bei meinem künstlichen Kniegelenk einfach zu hoch ist. Aber 1-2 Mal im Jahr stehe ich mit der Traditionsmannschaft von Dynamo Dresden oder mit der alten DDR-Nationalmannschaft auf dem Platz. Ansonsten gehe ich gerne mit meiner Frau wandern, fahre Fahrrad und gehe 1-2 mal im Jahr Ski fahren – das ist zwar auch nicht besonders gut für die Knie, aber ein bisschen Spaß muss man auch noch haben dürfen. 😉

„Es geht nicht immer darum, große, weltverändernde Dinge zu erreichen – manchmal kann man auch im Kleinen sehr viel bewirken“, Jens Nowotny, ehemaliger deutscher Nationalspieler.

Vom Sommermärchen zur NAKO-Fußballstudie – wir haben Jens Nowotny interviewt, der bei der WM 2006 für unsere Nationalmannschaft auf dem Platz stand und mittlerweile Co-Trainer der U 18-Nationalmannschaft ist:

DFB U-Trainer*innen, Jens Nowotny, Frankfurt, 16.08.2021, Foto: Thomas Boecker/DFB

Foto: Thomas Boecker/DFB

BREMEN, GERMANY - NOVEMBER 09: Jens Nowotny of Germany pose during U18 Germany Team Presentation on November 09, 2021 in Bremen, Germany. (Photo by Oliver Hardt/Getty Images for DFB)

Foto: Oliver Hardt/Getty Images for DFB

Wie war Ihre Erfahrung im Studienzentrum Essen?

Im Studienzentrum war alles hervorragend: Es gab keine großen Wartezeiten, und ich fand sehr spannend, so viele verschiedene Tests zu machen, die ich davor teilweise noch gar nicht kannte.

 

Ziel der Fußballstudie ist es, herauszufinden, welche körperlichen Folgen eine Profikarriere hat: Spüren Sie denn welche?

Auf jeden Fall! Gerade im Knie, im Knöchel und im Jochbein spüre ich meine Verletzungen von damals noch, vor allem wenn es draußen kalt ist und man dann nach drinnen, ins Warme kommt, zieht es in den Knochen. Aber ich sage immer, dass die kurze Karriere eines Fußballers in dem Punkt auch ein Stück weit mit anderen Berufslaufbahnen vergleichbar ist. Meine Mutter hat z. B. ihr Leben lang als Friseurin gearbeitet und kann mittlerweile kaum mehr ihre Schultern heben. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, und bei Fußballern fängt das eben mit Mitte 30 schon an. Aber keiner beschwert sich, weil es ein toller Job ist, in dem man eben auch viel Geld verdient.

 

Training ist bei jeder Sportart das A und O, welche sind Ihrer Ansicht nach die größten Unterschiede zwischen dem heutigen und dem früheren Training?

Früher wurde auf jeden Fall anders trainiert und auch nicht so viel wie heute. Auch die psychische Belastung ist heute um einiges höher, wobei man auch sagen muss, dass die Spieler dafür zumindest teilweise selbst verantwortlich sind: Heutzutage glauben viele Spieler, dass sie alles gleich in den sozialen Medien posten müssen. Aber ich sage mal, wenn ich nicht z. B. auf Instagram bin, kann mich dort auch keiner beleidigen. Und ich finde, man muss auch nicht immer auf alles einen „Daumen hoch“ bekommen. Ich bin jedenfalls froh, dass es das bei uns damals noch nicht gab.

 

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen? Und wie kam es dazu, dass Sie Profi wurden?

Ich habe mit 4 Jahren angefangen in meinem Heimatverein, dem SV Spielberg. Eigentlich konnte man zwar offiziell erst mit 6 Jahren anfangen, aber ich bin schon früher mit meinem Bruder zum Training gegangen und habe mittrainiert. Ein paar Jahre später gab es dann immer wieder Sichtungslehrgänge für die Kreisauswahlmannschaft, und einer davon hat zufällig in Spielberg stattgefunden. Damals wurde ich jedoch nicht gleich genommen, weil ich noch zu jung war. Zwei Jahre später konnte ich dann bei der Kreisauswahl mitspielen, und es gab Lehrgänge für die badische Auswahl, also noch mal eine Stufe höher. Mit 14 habe ich dann bei einem Sichtungsturnier für die deutsche Nationalmannschaft in Duisburg mitgespielt, und konnte in den folgenden Jahren alle Jugendnationalmannschaften durchlaufen. Das war eine sehr schöne Zeit.

 

Sie haben parallel zu Ihrer Fußballerkarriere eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann gemacht, wie war das möglich?

Genau, ich bin in der 10. Klasse vom Gymnasium abgegangen und habe eine Ausbildung gemacht. Heute wäre das natürlich nicht mehr möglich: Die Jungs trainieren heutzutage 7 Tage die Woche, wir haben damals nur 3-4-mal d Woche trainiert. Im letzten Jahr meiner Ausbildung habe ich mir dann das Kreuzband gerissen und konnte 9 Monate lang gar nicht mehr trainieren und mich in der Zeit nur auf die Ausbildung konzentrieren.

 

Gab es in Ihrer Karriere ein Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Natürlich hatte ich einige sehr schöne Momente in meiner Karriere, aber das Highlight schlechthin war natürlich die WM 2006, das „Sommermärchen“. Ich hatte 2004 und 2005 jeweils einen Kreuzbandriss erlitten und war von Bayer Leverkusen im zweiten Halbjahr 2005 suspendiert. Daher war ich sehr überrascht, dass ich für die WM überhaupt nominiert wurde, und ich hatte ab dem Zeitpunkt nur vier Monate Zeit, mich auf die WM vorzubereiten. 2002 hatte ich bereits die WM und das Champions League Finale aufgrund einer Verletzung verpasst. Umso schöner war es, dieses Mal dabei sein zu können. Auf dem Platz stand ich dann beim Spiel gegen Portugal, als sich zwei andere Spieler verletzt hatten. Ich erinnere mich noch gut an die tolle Atmosphäre im Stadion in Stuttgart und das Feuerwerk am Ende. Lustigerweise war mein damals vierjähriger Sohn auch im Stadion – und hat alles verpasst, weil er geschlafen hat. Daran sieht man mal wieder, dass Fußball zwar mega toll ist, aber es auch einfach Dinge im Leben gibt, die wichtiger sind. 😊

 

Die letzten Turniere liefen ja für unsere Nationalmannschaft leider weniger gut; denken Sie, dass wir bei der nächsten WM Chancen haben, zu gewinnen?

Ich denke, wir kommen auf jeden Fall weiter als beim letzten Turnier, aber ob man gewinnt ist immer eine Frage von Nuancen und auch sehr Tagesform abhängig. Auf einem so hohen Niveau entscheiden Kleinigkeiten, und gegen Mannschaften wie England oder Frankreich kann man auch mal unter die Räder kommen. Aber mit etwas Glück kann man auch durchaus gewinnen. Das Turnier lebt ja von genau von dieser Spannung, dass auch die großen Mannschaften mal straucheln.

 

Was haben Sie nach der Profikarriere beruflich gemacht?

Erst mal nichts – und das bewusst: 2006 kam unsere jüngste Tochter auf die Welt, und ich wollte in der Zeit nur zu Hause sein. 3-4 Jahre später wurde ich dann Spielerberater, nach einer Weile habe ich gemerkt, dass das doch nichts für mich war, und habe dann u. a. bei einer Kommunikationsagentur gearbeitet und ein eigenes Restaurant mit mediterraner Küche in Mönchengladbach eröffnet. Dort bin ich mittlerweile aber nur noch alle 3-4 Wochen mal, weil ich jetzt auch als Co-Trainer für die U18-Nationalmannschaft arbeite. Ich hatte über die Jahre zu einigen Leuten im Profifußball guten Kontakt gehalten, und als die Stelle frei wurde, gab es zwei Telefonate und ein persönliches Treffen, und dann konnte ich schon in dem neuen Job anfangen.

 

Was macht mehr Spaß: Spieler sein oder Trainer sein?

Eigentlich Spieler sein, allerdings hatte ich auch eine überwiegend erfolgreiche Karriere und kann deshalb nur Positives berichten. Als Trainer ist man immer das schwächste Glied in der Kette, und wenn es für die Mannschaft nicht gut läuft, wird die Schuld fast immer beim Trainer gesucht. Es ist auch nicht mit allen Spielern leicht: Einige Kinder haben Starallüren – und manche Stars haben Kinderallüren [lacht]. Trotzdem macht es mir bisher auch als Trainer sehr viel Spaß.

 

Sie engagieren sich auch für einige soziale Projekte – wie finden Sie neben Ihrem Beruf die Zeit dafür?

Ich bin u. a. beim Deutschen Kinderhospizverein und bei der Sepp Herberger-Stiftung engagiert, das kann schon mal stressig werden. Gerade während der Corona-Zeit kamen viele Anfragen, und das muss man alles koordinieren. Aber auch das mache ich sehr gerne, denn es geht nicht immer darum, große, weltverändernde Dinge zu erreichen – manchmal kann man auch im Kleinen sehr viel bewirken.

 

Sind Sie heute noch sportlich aktiv?

Ich mache noch ab und zu Benefizspiele, und trainiere alle zwei Tage, wenn ich die Motivation dazu habe.

 

Was machen sie gerne in Ihrer Freizeit?

Ich lese gerne und gehe gerne spazieren oder wandern. Zu Beginn der Pandemie war es schwierig, aber mittlerweile kann man sich ja zum Glück auch wieder mit Freunden treffen, und wir machen auch gerne Spieleabende mit unseren Freunden.

„Im Fußball schaffen es nur ganz wenige.“ – Frank Plagge, ehemaliger Fußball-Profi beim VfL Wolfsburg

 

Vor kurzem haben wir den ehemaligen Fußballprofi Frank Plagge interviewt und uns mit ihm über die Fußballstudie, seine Karriere-Highlights und die Zeit nach der Profikarriere unterhalten:

2019_GOFUS_4 F. Plagge und F. Baresi F.Plagge_Eintracht BS 1984

(Fotos: privat.)

Warum nehmen Sie an der Fußballstudie teil?

Ich finde das Konzept der Studie sehr interessant: Ich war selbst während meiner Karriere mehrmals verletzt, bin aber insgesamt zufrieden, denn meine Knie, Hüfte und Sprunggelenke sind noch heil, jedoch hatte ich öfters Muskelprobleme. Darüber hinaus: Die Gesellschaft braucht wissenschaftliche Studien, das sehen wir jetzt gerade beim Beispiel Corona und Impfstoffe wieder – und wenn ich dabei helfen kann, bin ich gerne dabei.

Ich hatte vor kurzem meinen Termin im Studienzentrum Berlin-Nord und fand die Untersuchungen sehr interessant, einige kannte ich noch gar nicht. Auch das Mitarbeiterteam war sehr nett.

 

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen?

Ich habe schon früh angefangen, in meinem Heimatdorf Fußball zu spielen, bin aber erst mit 8 Jahren in einen Verein gekommen, da es damals noch keine E-Jugend gab. In meiner Jugend habe ich dann immer eine Klasse höher gespielt, weil ich gut war. So war ich immer der Kleinste und musste lernen, mich durchzusetzen. Das hat mich geprägt und mir auch im späteren Leben viel gegeben.

 

Und wie sind Sie Profi-Fußballer geworden?

In meiner Jugend war ich schon relativ erfolgreich und habe viele Tore geschossen, und in der Nähe meines Wohnorts gab es zwei Vereine, die in der dritten Liga gespielt haben. Einer davon war der MTV Gifhorn. Für diesen Verein habe ich mich entschieden. Nach drei Jahren haben sich dann sowohl Eintracht Braunschweig und Hannover 96 bei mir gemeldet. Ich bin erst mal zu Braunschweig und damit auch in die Bundesliga gewechselt, aber leider sind wir relativ schnell abgestiegen. Ich war damals 23 und bin dann erst mal zurück ins VW Werk arbeiten gegangen. Dort hatte ich schon vor der Profi-Karriere gearbeitet, habe mich aber für die 2 Jahre Bundesliga freistellen lassen. Parallel dazu bin ich zum VfL Wolfsburg gewechselt, in die 3. Liga, und nach 6 Jahren sind wir in die 2. Liga aufgestiegen.

 

Sie haben also parallel zur Profi-Karriere gearbeitet?

Ich bin jetzt seit 40 Jahren bei VW angestellt, mit Ausnahme der 2 Jahre in der Bundesliga. Während der Zeit in der 3. Liga habe ich parallel zu meinem Job 3-4-mal die Woche trainiert, und als ich in der 2. Liga gespielt habe, habe ich zweimal am Tag trainiert und 7 Stunden bei VW gearbeitet. Das war schon sehr stressig, aber ich habe das ja freiwillig gemacht und die Gehälter im Fußball waren damals noch sehr weit entfernt von dem, was man heute verdient. Mein Beruf stand für mich immer an 1. Stelle und ich wollte ihn immer beibehalten, auch wenn ich parallel dazu Fußball gespielt habe.

 

Würden Sie heute wieder alles genauso machen?

Ich bin froh, immer noch bei VW zu sein und würde rückblickend immer wieder eine Ausbildung parallel zur Fußballer-Karriere machen. Ich war eine Zeitlang Jugendtrainer, und wenn du denen sagen musst: „Du kommst nicht weiter, du schaffst es nicht, weil du nicht gut genug bist“, ist das schon hart, sowohl für die Jugendlichen als auch für den Trainer. Manche Vereine und Trainer sind nicht ehrlich und versprechen den Jungs zu viel, aber ich finde, man sollte seine Ausbildung nie aus den Augen verlieren. Im Fußball schaffen es nur ganz wenige, und darüber sollte man sich bewusst sein, und nicht schon früh alles auf eine Profi-Karriere setzen. Denn was machst du, wenn du mit 32 kein Profi mehr bist, aber immer noch viele Jahre arbeiten muss?

 

Was war ihr Karriere-Highlight?

Der Aufstieg mit dem VfL Wolfsburg 1992: Wir waren zum dritten Mal in der Aufstiegsrunde, und waren der klare Außenseiter – aber wir haben es allen gezeigt! Diese 4-5 Wochen waren mein absolutes Highlight. Ich habe auch mal in einem Spiel in der 2. Liga 4 Tore in einer Halbzeit geschossen, und wir haben am Ende 4:0 gewonnen. Ein „negatives Highlight“ war ein Spiel, bei dem wir 10:0 verloren haben. Ich habe 11 Anstöße in diesem Spiel gemacht, das kann wohl kaum ein Spieler von sich behaupten…

 

Nach Ihrer Fußballer-Karriere wurden Sie Trainer, wie kam es dazu?

Ich hatte schon während meiner aktiven Zeit den Trainerschein gemacht und bin später Co-Trainer bei der Amateurmannschaft des VfL Wolfsburg geworden. Da ich Jugendtrainer in meinem Dorf war, kannte ich schon sehr viele Jugendliche aus der Umgebung, und die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht. Daher fragte ich beim VfL, ob ich dort ebenfalls die Jugendlichen trainieren könnte, und habe dann für 4 Jahre Junioren-Mannschaften trainiert (U13-U15).

 

Sind Sie heute noch sportlich aktiv?

Fußball spiele ich nicht mehr, das machen meine Knochen nicht mehr mit. Aber dafür spiele ich mittlerweile Golf, dafür treffen wir uns immer mal wieder mit 12 ehemaligen VfL-Profis. Ich bin auch Trainer der Traditionsmannschaft des VfL, als Spieler habe ich da aber schon mit Anfang 50 aufgehört. Ansonsten fahre ich viel Fahrrad, mit einem E-Bike, das ich mir während der Corona-Pandemie gekauft habe.

„Talent bringt dich auf die Bühne, aber du musst auch immer wieder Gas geben.“ – Jörg Dittwar ehemaliger Fußballspieler und -trainer

Vor kurzem haben wir den ehemaligen FC Nürnberg-Profi Jörg Dittwar interviewt und mit ihm über Derbys, seinen Weg in die Profikarriere und seine Tätigkeit als Trainer gesprochen.

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(Fotoquelle: 1. FC Nürnberg)

 

Warum nehmen Sie an der NAKO-Fußballstudie teil?

Der Mannschaftsarzt des FC Nürnberg hat mir empfohlen, an der Studie teilzunehmen. Es interessiert mich sehr, welche Auswirkungen meine Karriere auf meinen Körper hatte. Ich bin jetzt 58 Jahre alt, und einige meiner ehemaligen Kollegen haben schon künstliche Kniegelenke. Die Profi-Karriere hinterlässt eben ihre Spuren: Ich hatte während meiner aktiven Zeit auch 2-3 schwere Gehirnerschütterungen nach Kopfbällen. Heute spiele ich in der Traditionsmannschaft des 1. FC Nürnberg und achte mittlerweile mehr auf mich und meine Gesundheit. Ab und zu muss ich meinen Ehrgeiz von früher schon zügeln.

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen und wie wurden Sie Profifußballer?

Ich habe mit 6 Jahren angefangen, war aber erst mit 9 in meinem 1. Verein, dem TSV Stadtsteinbach. Als Kind habe ich, wie viele kleine Jungs, davon geträumt, Fußballprofi zu werden. Mit 10 Jahren war ich im Stadion in Bayreuth, mit 10-15.000 Fans. Das war eine tolle Atmosphäre, und seitdem hatte ich den Traum, Profifußballer zu werden.

Ich war schon immer sehr ehrgeizig, und hatte mit 16 tatsächlich das Glück, entdeckt zu werden. Daraufhin habe ich 7 Jahre lang für die SpVgg Bayreuth gespielt, zunächst in der 3., und später dann in der 2. Liga. Nach 7 Jahren bin ich zum 1. FC Nürnberg gewechselt und habe in den folgenden Jahren in der Bundesliga gespielt. So habe ich meine Karriere Schritt für Schritt gesteigert.

Sie haben parallel zu ihrer Fußballerkarriere noch eine Ausbildung zum Maler gemacht – wie hat das funktioniert?

Tatsächlich habe ich in meinem Heimatort Stadtsteinach, 40 Kilometer von Bayreuth entfernt, 3 Jahre lang eine Lehre als Maler gemacht und musste dafür dreimal pro Woche von Bayreuth nach Stadtsteinach kommen. Die Jahre danach habe ich parallel zum häufigen Fußballtraining als Maler gearbeitet, das war noch mal zusätzliche Fitness für mich, wenn ich rechts und links jeweils einen 25 kg-Eimer mit Farbe tragen musste… Aber sobald wir in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind, musste ich meine Arbeitszeit stark reduzieren. Später war ich dann Vollprofi und habe den Beruf nicht mehr ausgeübt. Die Jahre mit der Doppelbelastung waren schon hart, und ich habe es nur geschafft, weil ich den Willen hatte. Talent bringt dich auf die Bühne, aber du musst auch immer wieder Gas geben. Nur deshalb hat mich der Trainer immer wieder aufgestellt.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich hatte viele Highlights auf dem Platz und auch daneben. Die Derbys gegen den FC Bayern München waren toll, da hatten wir immer volles Haus, und man hat 150% gegeben. Ich erinnere mich auch noch, dass ich in der Saison 1990/91 an den ersten 4 Spieltagen 4 Elfmeter verwandelt habe. Das ist ein Rekord, der bis heute steht. Gerade als Verteidiger war es toll für mich, dass ich die Torjägerliste damals zu Saisonbeginn angeführt habe. Auch die beiden Spiele gegen den AS Rom in der Saison 1988/89 waren echte Highlights für mich. Beim Rückspiel habe ich jedoch einen Ellbogen-Check auf die Schläfe bekommen, habe aber trotzdem weitergespielt und bin erst danach zum Arzt gegangen. Ich habe keinerlei Erinnerungen mehr an dieses Spiel. So etwas wäre heute undenkbar, aber damals hat man auch einfach anders trainiert und ist anders mit Verletzungen umgegangen.

Nach Ihrer Karriere als Spieler waren Sie als Trainer tätig, wie kam es dazu?

Ich habe meine Profikarriere mit 31 wegen meines kaputten Knies beendet, aber noch mehrere Jahre im Amateurbereich weitergespielt. Trainer wollte ich schon immer werden, und nach der Fußballerkarriere habe ich zunächst beim 1. FC Nürnberg als Jugendtrainer gearbeitet. Ich wollte aber wieder nach Hause, da ich ein sehr familiärer Mensch bin. Ich habe dann ein Sportgeschäft eröffnet und ab 1995 in der Fußballschule von Hans Dorfner gearbeitet. Er war in Nürnberg einer meiner Mitspieler. Eine Zeitlang war ich auch der Bundestrainer der Fußballer mit intellektueller Beeinträchtigung. In dieser Mannschaft haben alle Spieler einen IQ von unter 75. Das war eine schöne Aufgabe, und ich war mit viel Herzblut dabei, auch, wenn es nicht immer einfach war. Wir waren unter anderem auch bei den Weltmeisterschaften in Brasilien, Südafrika und Frankreich.

Heute bin ich hauptberuflich Trainer und sportlicher Leiter in einem Sportverein, dem SC Sylvia Ebersdorf. Von G- bis A-Jugend trainiere ich alles. Ich stehe jeden Tag auf dem Fußballplatz und genieße es sehr, denn ich liebe den Fußball!

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich spiele seit 25 Jahren in der Traditionsmannschaft des FC Nürnberg. Mit 58 Jahren bin ich mittlerweile zwar der Älteste, aber es geht mir auch nicht darum, dass ich unbedingt 90 Minuten auf dem Platz stehen muss, sondern darum, meine alten Kollegen zu sehen und eine gute Zeit haben. Mit 60 möchte ich dann ein schönes Abschiedsspiel mit meinen Kumpels haben. 😊

Zudem stehe ich ja von Montag bis Sonntag jeden Tag als Trainer auf dem Fußballplatz. Und die Zeit, die noch übrig bleibt verbringe ich mit meinen drei Enkelkindern.

Unsere Fragen an Falko Götz – Teil 2

(Quelle: privat.)

(Quelle: privat.)

Wie ging es für Sie weiter, als Sie in Westdeutschland waren?

Ich war zunächst für ein Jahr gesperrt, denn wenn man den Verein wechselt, ohne dass der gebende Verein einverstanden ist, erhält man normalerweise eine zweijährige Sperre. Da ich aus der DDR geflohen war, bekam ich aber bereits nach einem Jahr die Amnestie und bin zu Bayer Leverkusen gewechselt. Mehrere Vereine hatten Interesse an mir, aber das Konzept von Bayer 04 war für mich ideal; das war ein aufsteigender Bundesligist, der gerade richtig durchgestartet ist, und ich wollte ein Teil davon sein. Letztendlich habe ich mit Leverkusen den UEFA Cup gewonnen, also war es wohl keine falsche Entscheidung. 😊

 

Sie haben später für Galatasaray Istanbul gespielt, wie war es für Sie, ins Ausland zu gehen?

In der Bundesliga hatte ich davor für den 1. FC Köln gespielt, in einer Mannschaft mit 5 Weltmeistern von 1990. Das war eine tolle Zeit, aber wir wurden immer nur 2. hinter dem FC Bayern München. Der türkische Fußball ist sehr emotional und leidenschaftlich, das hat mir gut gefallen, und auch in der Weltmetropole Istanbul zu leben hat mein Leben sehr bereichert. Neben dem sportlichen Erfolg waren die zwei Jahre bei Galatasaray auch für mich persönlich mit die schönsten meines Lebens.

 

Haben Sie Beschwerden, die aus Ihrer Karriere als Profispieler resultieren könnten?

Ich hatte 2-3 schwere Verletzungen am Ende meiner Karriere, hatte u. a. die Achillessehne und das Kreuzband gerissen. Durch das Training ist mein Körper natürlich sehr belastet worden, aber ich habe auch nach der Karriere versucht, mich weiterhin körperlich zu betätigen. Ich bewege mich viel, bin häufig an der frischen Luft. Heute kann ich sagen, ja, die 30 Jahre Fußball haben definitiv Auswirkungen auf meinen Körper gehabt, aber die Beschwerden sind erträglich, und ich kann heute noch Sport treiben, fahre beispielsweise gerne Fahrrad oder laufe und mache Krafttraining. Ab und zu spiele ich auch Golf oder fahre Ski.

 

Nach Ihrer Karriere als Spieler waren Sie als Trainer tätig, wie kam es dazu?

Damals war ich 35 Jahre alt und hatte mein letztes Spiel mit Hertha BSC im Olympiastadion in Berlin. Der positive Abschluss meiner Karriere war auch der Aufstieg von Hertha BSC in die Bundesliga. Ich hatte zwar ein Angebot aus der 2. Liga, aber das erschien mir als ein guter Abschluss meiner Karriere. Nach der Achillessehnen-Verletzungen hatte ich zwei Optionen: Entweder weiterspielen und mich quälen oder meine Karriere beenden, und ich entschied mich für letzteres. Dieter Hoeneß hatte mir angeboten, die Trainerlizenz zu machen und in der neuen Funktion bei Hertha BSC zu bleiben. Das habe ich angenommen, und so hatte ich nur einen kurzen Übergang vom Spieler zum Trainer. Nach der Trainerausbildung habe ich die Amateurmannschaft von Hertha BSC übernommen.

 

Was hat Ihnen mehr Spaß gemacht, Spieler sein oder Trainer?

Da fragen sie mich was! Als Spieler musste ich laufen, und als Trainer habe ich laufen lassen. 😊 Nein, ernsthaft, es war toll, als Spieler auf dem Platz zu stehen und so viele Wettbewerbe zu gewinnen. Aber als Trainer war es auch schön, Mannschaften zu entwickeln und zu sehen, was aus den verschiedenen Spielern wird. In beiden Positionen habe ich viele Menschen kennengelernt, und ich hatte immer ein gutes Gefühl, weil der Fußball mir immer wichtig war und ich beide Jobs geliebt habe.

 

Was machen Sie mittlerweile beruflich?

Heute arbeite ich als Scout für Bayer Leverkusen und sichte sowohl national als auch international neue Spieler. Das macht mir großen Spaß und ich genieße diese Arbeit sehr.

 

Und was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Ich gehe zweimal pro Woche laufen und mache Krafttraining. Zudem liebe ich es, zu reisen und habe viele Hobbys, die alle mit Bewegung zu tun haben. Immer auf einem Fleck bleiben kann ich nicht, ich bin gerne in Bewegung.

Falko Götz: „Letztendlich habe ich mich für das Abenteuer entschieden.“

Immer wieder lernen wir im Rahmen der Fußballstudie sehr interessante Menschen kennen. Diese Woche haben wir den ehemaligen Fußballprofi und -trainer Falko Götz interviewt und mit ihm über seine Teilnahme an der NAKO-SoccHealth-Study, seine Karriere in Deutschland und im Ausland, und seine Flucht aus der DDR gesprochen.

 

Falko Götz (Quelle: privat.)

Falko Götz (Quelle: privat.)

 

Warum nehmen Sie an der Fußballstudie teil?

Mir ist es wichtig, meine Erfahrungen weiterzugeben. Ich hatte im Laufe meiner Karriere, so wie die meisten Profispieler, einige Verletzungen, und denke, es ist eine gute Idee, eine Studie dazu zu machen. Ich hoffe, dass die Ergebnisse kommenden Generationen für den Umgang mit Verletzungen helfen können.

 

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen und wie wurden Sie Profifußballer?

Mit 7 Jahren habe ich beim Verein FC Vorwärts Berlin angefangen, der in späteren Jahren in anderen Sparten die Profiboxer Henry Maske und Axel Schulz hervorgebracht hat. Mit 9 bin ich innerhalb von Ost-Berlin zum Verein BFC Dynamo gewechselt, in dem ich dann 12 Jahre lang ausgebildet wurde.

Ich hatte Glück, dass ich von Anfang an bei einem Topverein gewesen bin, und als Kind schon gefördert wurde. Klar, mit 9 Jahren hat man nicht das Ziel, Profifußballer zu werden, aber mit den Ausbildungsjahren hat sich das alles so ergeben. Ich hatte das Glück, oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein – und das Ende ist bekannt.

 

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich habe 30 Jahre lang Fußball gespielt und war Profi, seit ich 17 war. Dabei hatte ich sehr viele schöne Erlebnisse. Das fing an, als ich in der D-Jugend Torschützenkönig bei einem Hallenturnier wurde. Mit Dynamo Berlin habe ich einige Titel geholt und 1988 mit Bayer Leverkusen den UEFA-Pokal gewonnen. Dann war ich mit Galatasaray Istanbul zweimal Meister und einmal Pokalsieger, und habe Champions League gespielt. Und auch als Trainer gab es viele Highlights, wie z. B. das Erreichen der Europa League mit Hertha BSC, die Aufstiege mit der Amateurmannschaft von Hertha BSC und mit Holstein Kiel. Und auch, dass ich sehr viele junge Spieler in den Profi-Bereich gebracht habe, beispielsweise Kevin Prince Boateng und Jérôme Boateng bei Hertha BSC oder Marcel Schäfer bei 1860 München – alle drei haben ihre ersten Profi-Einsätze in der Bundesliga mit mir als Cheftrainer absolviert. Im Rückblick kann ich sagen, dass ich einen tollen Beruf gewählt habe, und viele Erfolge feiern durfte.

 

1983 haben Sie sich bei einem Europapokal Spiel in die bundesdeutsche Botschaft abgesetzt, sind also aus der DDR geflohen. Hatten Sie das schon länger geplant?

Ich bin ja in Ost-Berlin groß geworden und hatte daher am Wochenende immer die Wahl, ob ich Sportschau gucke oder den Sport im Osten verfolge. Mir war die Bundesliga also von klein auf geläufig, und es war immer mein Traum, dort zu spielen. Mit jedem Jahr, in dem ich mich weiterentwickelt habe, habe ich mich mehr gefragt, ob ich es schaffen könnte, in der Bundesliga zu spielen. In der DDR hatte ich ja bereits in jungen Jahren sehr viele Titel gewonnen und wusste daher nicht mehr, wie es dort weitergehen könnte. Letztendlich habe ich mich für das Abenteuer entschieden, und das ist, Gott sei Dank, gut gegangen. Dabei hatte ich von Anfang an die Unterstützung meiner Familie. Und auch, wenn seitens des Staates immer wieder Druck auf meine Familie ausgeübt wurde, mich zurückzuholen, hatten meine Eltern eine klare Meinung dazu: Sie haben meine Karriere immer gefördert.

Raffael Tonello über Scouting, Bella Germania und die NAKO-Fußballstudie

Quelle: privat.

Quelle: privat.

Quelle_ privat.

Quelle: privat.

Warum nehmen Sie an der Fußballstudie teil?

Leider war ich von klein auf von Verletzungen geplagt, die letztendlich meine Karriere kompromittiert haben. Mein Hauptmotiv war also das Interesse an den Langzeitschäden und -folgen einer Profikarriere. Ich hoffe, dass mit der fortschreitenden Entwicklung der Medizin bessere Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten entwickelt werden. Ich sehe ja schon, dass sich seit meiner Karriere in den 90ern bereits einiges verbessert hat, und hoffe, dass es so weitergeht, und die Fußballstudie der NAKO einen guten Beitrag dazu leistet.

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen und wie wurden Sie Profifußballer?

Ganz klassisch als kleiner Junge mit 6-7 Jahren im Verein Union Mühlheim. Das ist meine Heimatstadt im Ruhrgebiet.

Zur Profikarriere kam ich mit Talent, Leidenschaft, Begeisterung, aber sicher auch dem nötigen Quäntchen Glück: 1991 bin ich von Union Mülheim zu Fortuna Düsseldorf gewechselt. Ich bin mit 16 von einem Scout entdeckt worden, und bekam dadurch die Möglichkeit, meinen ersten Profi-Vertrag zu unterschreiben. Heute ist Scouting viel transparenter und vielschichtiger, aber damals wie heute war es auch einfach so, dass es im Ruhrgebiet viele Vereine gab, und alle hatten Scouts. Mit meinem Weg zur Fortuna war ich sehr glücklich und würde heute auch alles wieder genauso machen.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Der Aufstieg von der 2. In die 1. Liga mit der Fortuna 1995 war natürlich sehr schön, das wurde auch am Rathaus in Düsseldorf groß gefeiert. Generell waren alle Spiele eine besondere Erfahrung, vor allem die in der 1. Liga. In der höchsten Liga zu spielen war ein absolutes Highlight. Wir hatten damals eine sehr gute Mannschaft, mit der es immer sehr viel Spaß gemacht hat, auf dem Platz zu stehen. Auch die deutsche Meisterschaft im Länderpokal war 1994 ein weiterer Höhepunkt und quasi mein persönlicher Durchbruch in punkto Profiteam.

Sie waren der erste Italiener in der Bundesliga, was für ein Gefühl war das?

Genau, ich habe meinen italienischen Pass nie abgegeben und habe als kleiner Junge auch zeitweise in Italien gelebt; in Vasto (Stadt in der Region Abruzzen, Anm. d. R.), direkt am Strand. Aber das war meine früheste Kindheit, und ich bin in Deutschland zur Schule gegangen und habe dort auch mein Abitur gemacht. Das hatte mein Vater als Voraussetzung für die Profikarriere genannt. 😊

Generell war es mir aber nie besonders bewusst, dass ich der erste Italiener in der Bundesliga war, bis das ZDF irgendwann eine Dokumentation namens Bella Germania über italienische Gastarbeiter gemacht hat, für die ich ebenfalls interviewt wurde.

In unserer Mannschaft gab es aber nie eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Nationalitäten; das war für uns nie relevant. Es spielten beispielsweise auch Fußballer aus verschiedenen Gebieten des Balkans für uns, in den 90ern, während des Balkan-Kriegs. Und nicht einmal da hat die Nationalität eine Rolle in der Mannschaft gespielt. Das war schon eine außergewöhnliche Erfahrung, dieser Zusammenhalt und die gegenseitige Akzeptanz.

Sie mussten leider aufgrund mehrerer Verletzungen bereits im Alter von 22 Jahren die Bundesliga verlassen; spüren Sie heute noch die Folgen dieser Verletzungen?

Ich wurde 1996  innerhalb eines Jahres dreimal operiert. Das ist 25 Jahre her, und die OP-Standards waren noch nicht so gut wie sie es heute sind. Unter anderem war ein Kreuzband gerissen und ich hatte einen hochgradigen Knorpelschaden. Das waren für einen Hochleistungssportler K.-o.-Kriterien. Manche Spieler erholen sich nach solchen Verletzungen noch einmal, aber bei mir war dieser Befund so gravierend, dass ich dreimal am Knie operiert wurde, es letztendlich aber nicht mehr zu kompensieren war. Heute spüre ich immer noch die Folgen: Mein damaliger Schien- und Wadenbeinbruch am linken Bein macht sich beispielsweise immer wieder bemerkbar, wenn es Temperaturschwankungen gibt.

Was haben Sie nach der Profi-Karriere beruflich gemacht?

Ich habe ein Praktikum bei Eintracht Frankfurt mit anschließender Umschulung zum Sportfachwirt gemacht. Danach war ich viele Jahre selbstständig als Kleinunternehmer mit einer Sportanlage, die ich bis 2019 geführt habe. Seitdem bin ich aber wieder bei der Eintracht angestellt und arbeite mittlerweile als Scout. Es macht mir sehr viel Spaß, dass ich nun selbst junge hoffnungsvolle Spieler aus ganz Europa für die Eintracht gewinnen kann.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Sportlich aktiv kann ich aufgrund der Vorschädigung leider nur noch limitiert sein. Ansonsten angle ich gerne; meine Mutter kommt aus einem italienischen Ort direkt am Meer, da war angeln immer eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung, und auch ich kann dabei gut abschalten.

Hans Dorfner über seine Karriere beim FC Bayern München, seine Fußballschule und seine Teilnahme an der NAKO-Fußballstudie
Hans Dorfner (Quelle: Hans Dorfner Fußballschule)

Hans Dorfner (Quelle: Hans Dorfner Fußballschule)

Hans Dorfner im Zweikampf mit Diego Maradona (Quelle: privat)

Hans Dorfner im Zweikampf mit Diego Maradona (Quelle: privat)

Mit der Meisterschale beim FC Bayern München (Quelle: privat)

Mit der Meisterschale beim FC Bayern München (Quelle: privat)

Autogrammkarte (Quelle: privat)

Autogrammkarte (Quelle: privat)

(Quelle: Hans Dorfner Fußballschule)

(Quelle: Hans Dorfner Fußballschule)

(Quelle: Hans Dorfner Fußballschule)

(Quelle: Hans Dorfner Fußballschule)

Durch die Fußballstudie haben wir immer wieder sehr interessante Interviewpartner: Heute ist Hans Dorfner unser Gast. Er stand bereits in der Champions League gegen Diego Maradona auf dem Platz und betreibt die „mittlerweile größte private Fußballschule Deutschlands“. Im Interview erzählt er uns von seinen Anfängen, seinem Leben nach der Profi-Karriere und seiner Teilnahme an der NAKO-Fußballstudie.

 

Warum nehmen Sie an der Fußballstudie teil?

Als ich den Brief mit der Einladung erhielt, dachte ich mir, dass es nicht schaden kann, an der Studie teilzunehmen, deren großer Umfang mir sehr imponiert hat. Ich hatte meine Untersuchung im Studienzentrum Augsburg bereits, und muss sagen, dass ich die vielen Tests super interessant fand – von Ernährung über Griffkraft bis hin zu psychologischen Tests wird wirklich alles untersucht.

 

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen? Und wie kam es dazu, dass Sie Profi wurden?

Ich habe mit 6 Jahren angefangen, in meinem ersten Verein, dem ASV Ungdorf zu spielen. Bis ich 16 war, war ich dann in verschiedenen Auswahlmannschaften, und in der Bayern-Auswahl wurde ich dann vom Jugendtrainer des FC Bayern München entdeckt. Das war natürlich etwas ganz Besonderes, da ich, wie viele andere kleine Jungs, auch immer davon geträumt hatte, Fußballprofi zu werden. Der Verein war mir dabei eigentlich nicht wichtig, aber der FC Bayern hatte natürlich auch den Vorteil, dass er innerhalb einer Stunde von meiner Heimatstadt Regensburg aus zu erreichen war.

 

Haben Sie ein besonderes Karriere-Highlight?

Einige; wir sind mit dem FC Bayern u.a. dreimal deutscher Meister geworden. Die Länderspiele waren auch etwas ganz Besonderes, ebenso wie die Champions League. Einmal haben wir sogar gegen den SSC Neapel gespielt, für den damals Diego Maradona auf dem Platz stand. Das war ein echtes Highlight!

 

Nach Ihrer Profi-Karriere waren Sie als Trainer aktiv, wie kam es dazu?

Das stimmt, ich war danach Trainer in meinem Heimatverein, aber nur auf Kreisliga-Niveau. Das war eher ein Hobby, damit mir der Fußball in meinem Leben erhalten bleibt. Ich hatte da keine größeren Ambitionen und sehe mich heute auch eher als Fußballspieler als und nicht als Trainer.

 

Leider mussten Sie Ihre Karriere schon mit 29 beenden, aufgrund mehrerer Verletzungen. Wie geht es Ihnen heute, spüren Sie die Folgen immer noch?

Das Leben als Leistungssportler ist körperlich sehr belasten, und ich spüre die Folgen immer noch, vor allem im Knie, wo ich eine Knorpel-Absplitterung hatte. Das normale Leben funktioniert sehr gut, aber irgendwann werde ich sicher ein künstliches Kniegelenk brauchen. Jedoch geht es mir im Vergleich zu manchen ehemaligen Kollegen noch sehr gut.

 

Was haben Sie nach der Profikarriere beruflich gemacht?

Ich habe 1994 meine Fußballschule gegründet. Generell wollte ich schon immer was mit Kindern machen, und betreibe mittlerweile die größte private Fußballschule Deutschlands. Jede*r darf mitmachen, der oder die Spaß am Fußball hat – bei uns steht ganz klar der Spaß im Vordergrund. Wir machen Ferien- und Wochencamps, auch in Österreich und Südtirol. Letztes Jahr haben insgesamt 5.000 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren teilgenommen. Die letzten beiden Jahre waren natürlich nicht so, wie die Jahre davor, aber zum Glück waren die Inzidenzzahlen im Sommer niedrig, sodass unsere Camps mit entsprechenden Hygienemaßnahmen stattfinden konnten. Die Kinder waren froh, dass sie endlich mal wieder raus durften, und die Eltern ebenso. Jetzt bereiten wir gerade alles für die nächste Saison im Sommer vor.

 

Wie verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit?

Fußball kann ich leider schon lange nicht mehr spielen, aufgrund meiner Verletzungen, aber ich gehe sehr gerne raus, spazieren, da mir joggen auch nicht mehr möglich ist. Und ich spiele gerne Golf.

Natürlich verbringe ich auch gerne Zeit mit meiner Familie; ich habe drei Kinder. Und ich reise gerne, vor allem in Italien, und lasse es mir gutgehen. 😊

„Ich bin froh darüber, dass der Fußball noch ein Teil meines Lebens sein kann“ – Tobias Homp über seine Untersuchung im Studienzentrum Berlin-Nord, die WM in Katar und die vielen Faktoren einer Profi-Karriere

Tobias Homp (Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung)

Tobias Homp (Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung)

Warum nehmen Sie an der NAKO-Fußballstudie teil?

 

Ich finde es interessant zu sehen, wie es mir selbst gesundheitlich geht – und falls durch Zufall eine Auffälligkeit entdeckt wird, würde ich das natürlich wissen wollen. Nur wenn man von etwas weiß, kann man ja auch etwas dagegen tun.

Rückblickend betrachtet: Die meisten Untersuchungen waren absolutes Neuland für mich, daher fand ich den Tag im Studienzentrum Berlin-Nord sehr interessant.

 

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen?

 

Mit etwa 7 Jahren, aber ich habe nicht regelmäßig gespielt. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und wir haben nur im Dorf gebolzt, bevor ich bei meinem ersten Verein, dem TSV Melsdorf angefangen habe.

 

Wie kam es dazu, dass Sie Profi geworden sind, und was war Ihr Karriere-Highlight?

 

Zwar war ich sehr ehrgeizig, habe in meiner Jugend aber nie daran gedacht, Profi zu werden. Mein Ziel war eigentlich immer, so hoch wie möglich zu spielen, da dachte ich vielleicht an die dritte Liga, nicht an mehr. Natürlich hatte ich auch viel Glück; es müssen schon viele Kleinigkeiten zusammenkommen, um entdeckt zu werden. Nach einem Probetraining habe ich mit 21 Jahren bei meinem ersten Profi-Verein, dem Hamburger SV angefangen, und es lief so gut, dass ich in meiner ersten Saison bereits bei der Hälfte der Spieltage auf dem Platz stand.

Mein Highlight war ganz klar, als wir 1987 den DFB-Pokal gewonnen haben und in derselben Saison Vizemeister geworden sind, obwohl keiner daran geglaubt hatte. Das war auch bis heute das letzte Mal, dass der HSV den DFB-Pokal gewonnen hat.

 

Ihr alter Verein, der HSV, befindet sich ja schon seit längerem in der Krise, denken Sie, dass es bald wieder bergauf geht?

 

Beim HSV wird schon seit ein paar Jahren ein großer Umbruch angekündigt, aber das Problem ist, dass alle zu ungeduldig sind. Man hat davor lange nicht realisiert, dass man etwas verändern muss, und nun spielt der Verein in einer zweiten Liga, die mittlerweile sehr viel stärker geworden ist. In der Vergangenheit wurden die Trainer immer nach kurzer Zeit entlassen. Ich denke, dass man einfach insgesamt viel mehr Geduld benötigt, damit der Trainer eine neue Mannschaft aufbauen kann. So etwas geht nicht von einem Tag auf den nächsten. Der Fußball, den der HSV spielt, ist immerhin schon ansehnlicher geworden als in den letzten Jahren, also die Chance für einen Aufstieg in die Bundesliga ist auf jeden Fall gegeben.

 

Wie ging es für Sie nach der Profi-Karriere weiter?

 

Ich war 10 Jahre lang Profi und habe danach noch weitere 5 in der 2. Mannschaft in der Regionalliga gespielt. Parallel dazu habe ich eine Ausbildung zum Außenhandelskaufmann gemacht, und bin auch heute noch im gleichen Bereich tätig. Die Ausbildungszeit war stressig, weil ich auch viermal pro Woche trainieren musste. In der Zeit bin ich auch reifer geworden, und konnte, da ich kein Profi mehr war, auch mehr Zeit mit der Familie verbringen und meine Kinder aufwachsen sehen.

 

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit? Sind Sie heute noch sportlich aktiv?

 

Ich spiele immer noch Fußball im Altherrenbereich und unterstütze das Trainerteam einer Frauenmannschaft, in der meine Tochter spielt. Dort trainiere ich auch parallel mit, und halte mich so fit. Ich liebe den Fußball einfach so sehr, dass ich möglichst lange spielen will, und bin froh darüber, dass ich noch so gesund und fit bin, dass der Fußball noch ein Teil meines Lebens sein kann.

Mir ist aber auch bewusst, dass ich viel Glück hatte: Ich kenne nämlich viele ehemalige Profis, die nicht mehr so fit sind. Ich selbst hatte während meiner Karriere zwei schwere Verletzungen, habe es aber immer wieder geschafft, zurück zu kommen.

Neben dem Fußball fahre ich in meiner Freizeit auch gerne Fahrrad, spiele Schach und Skat und verbringe viel Zeit mit meinen Kindern.

 

Wie ist Ihre Meinung als Trainer zu den jüngsten Veränderungen bei der deutschen Nationalmannschaft?

 

Hansi Flick als neuer Trainer macht mir Mut; er hat mit dem FC Bayern sehr erfolgreich gearbeitet, und obwohl wir natürlich keine Garantie haben, denke ich dass, es mit ihm besser wird. Die Leistungen der Mannschaft bei der EM waren sehr unbefriedigend, meiner Meinung nach lässt Flick moderner spielen und bringt frischen Wind in die Mannschaft.

Die WM in Katar werde ich mir trotzdem nicht anschauen, da ich diesem Veranstaltungsort sehr kritisch gegenüberstehe. Es geht im Fußball heutzutage einfach viel mehr um Kommerz, und ich finde es gefährlich, dass der Sport sich von solchen Staaten wie Katar abhängig macht.

„Ich will es besser machen als die Trainer früher“ – Preußen Münster-Trainer Sascha Hildmann über seine Teilnahme an der Fußballstudie, seine Karriere-Highlights und die Rolle von Social Media im Profisport

Quelle: SC Preußen Münster

Quelle: SC Preußen Münster

Warum nehmen Sie an der Fußballstudie teil?

Ich unterstütze natürlich gerne die Forschung, und habe auch persönliche Gründe: Während meiner Karriere habe ich Typ 1 Diabetes bekommen und mich immer gefragt, ob das vielleicht in Zusammenhang mit dem Profifußball stehen könnte, da in meiner Familie noch nie jemand Diabetes hatte. Vielleicht kann die Forschung ja eines Tages Aufschluss darüber geben.

Die Untersuchung im Studienzentrum Essen war jedenfalls alles andere als langweilig: Das Untersuchungsteam war sehr nett.  Es gab einige Untersuchungen, die ich wirklich interessant fand, wie beispielsweise den Lungentest oder den Riechtest.

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen und wie wurden Sie Profifußballer?

Ich habe schon mit 5 Jahren angefangen, bin aber erst mit 7 in meinen ersten Verein, den SV Enkenbach, eingetreten. In der Jugend habe ich gut gekickt, sodass ich mit 12 in die Kreisauswahl der C-Jugend gekommen bin. Zu der Zeit fand ein Turnier statt, bei dem ich entdeckt wurde und daraufhin für die Südwestauswahl gespielt habe. Nach diesem Turnier bin ich auch zur C-Jugend des 1. FC Kaiserslautern gewechselt.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich habe ganz viele Highlights: Ich hatte als Spieler mit dem 1. FCK tolle Partien auf dem „Betze“ (Spitzname des Fritz-Walter-Stadions in Kaiserslautern, Anm. d. Red.), da ist es für mich unmöglich, ein einzelnes herauszupicken.

Warum haben Sie sich nach Ihrer Spielerkarriere für eine Karriere als Trainer entschieden?

Als Spieler hatte ich immer Trainer, die unfassbar hart gearbeitet haben. Ich erinnere mich, dass wir mit dem FCK einmal ein Trainingslager im Schwarzwald hatten, bei dem wir 32 Kilometer an einem Tag gelaufen sind – danach war ich körperlich am Ende. Wir mussten auch viele Bergaufläufe absolvieren und einige Übungen, die heute niemand mehr machen würde: unter anderem Huckepackläufe und -spiele mit anderen Spielern. Ich bin davon überzeugt, dass man da auch Schäden davonträgt. Ich habe beispielsweise auch heute noch Probleme mit einem Halswirbel, meinem Knie und dem Knöchel. Aber damals waren Trainer noch „Herrscher“, und teilweise geradezu „Diktatoren“. Wir sind weite Strecken gerannt, während der Trainer mit dem Fahrrad nebenhergefahren ist.

Aber das war eine ganz andere Zeit, damals. Wenn ich meine Spieler heute so trainieren würde, würden mich direkt 10 Berater und die Eltern anrufen – und das ist auch gut so! Ich will es ja besser machen und es geht nicht darum ein „Diktator“ zu sein, sondern die Spieler zu begleiten, zu trainieren und individuell zu fördern. 😊

Was waren Ihre Karriere-Highlights als Trainer?

Auch da hatte ich mehrere, aber eines der schönsten war sicherlich, als wir mit Kaiserslautern letztes Jahr im DFB-Pokal mit 2:0 gegen Mainz gewonnen haben. Als Drittligist gegen einen Erstligisten zu gewinnen, und das dann noch im „Rheinland-Pfalz-Derby“ ist schon etwas Besonderes.

Was macht mehr Spaß: Spieler oder Trainer zu sein?

Ich hatte und habe an beidem Freude, aber muss gestehen, dass mir persönlich Spieler sein mehr Spaß gemacht hat. Als Spieler kann man nach dem Spiel erst mal damit abschließen, als Trainer bereitet man Spiele vor und nach, und trägt außerdem eine große Verantwortung für andere.

Welche Rolle spielt Social Media im Profifußball?

Natürlich kann Social Media Spaß machen. Man lernt im Profisport jedoch auch die Schattenseiten kennen: Auf den sozialen Medien sind die Kommentare oft unter der Gürtellinie, wenn man als Spieler beispielsweise den entscheidenden Elfmeter verschießt oder als Trainer einen Verein trainiert, bei dem es nicht gut läuft. Da wird das Menschliche leider oft vergessen.

Ich würde sagen, dass gerade für junge Spieler Social Media oft Fluch und Segen zugleich ist: Vielen macht es Spaß, Bilder zu posten und dadurch auch mit ihren Fans in Verbindung zu bleiben, aber wie gesagt, können Kommentare leider auch oft unter die Gürtellinie gehen.

Sind Sie heute in Ihrer Freizeit noch sportlich aktiv?

Ich wäre gerne aktiver, gehe regelmäßig joggen, aber sehr langsam. Ich versuche zwar, mich zu bewegen, aber aufgrund der gesundheitlichen Folgen meiner Fußballkarriere geht das leider nicht mehr so wie früher – spätestens nach einer halben Stunde Sport bekomme ich Schmerzen.

Bei der EM ist Deutschland dieses Jahr früh ausgeschieden. Denken Sie, dass wir uns bei der WM nächstes Jahr besser schlagen werden?

Ich bin davon überzeugt, dass die Nationalmannschaft sich nächstes Jahr besser schlagen wird. Bei der EM hatten wir leider große Defizite in der Defensive- Ich denke, dass Hansi Flick daran feilen, und die Mannschaft neu strukturieren wird. Fußball spielen können wir richtig gut, und ich bin mir sicher, dass das beim nächsten Turnier auch wiederkommen wird.

Unsere Fragen an Prof. Dr. Tim Meyer, wissenschaftliche Leitung der NAKO SoccHealth-Studie
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Prof. Meyer, Sie sind Direktor des Instituts für Sport und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes und betreuen als Teamarzt die deutsche Fußballnationalmannschaft der Männer.
1. Was war Ihr Traum- bzw. Ihr Wunschberuf als Kind?
– Eigentlich Fußballprofi, nur war dann relativ früh – spätestens mit 20 – klar, dass es dazu nicht reichen würde.
2. Was haben Sie studiert?
– Medizin und Sportwissenschaften.
3. Wie wird man Teamarzt der deutschen Fußballnationalmannschaft?
– Ich glaube nicht, dass es dafür ein Patentrezept gibt. In meinem Fall waren sicherlich die frühzeitige Einbindung in ein sportmedizinisches Institut sowie mein zusätzliches Sportstudium günstig, also der tägliche Kontakt mit Leistungssportlern. Darüber hinaus meine große Nähe zur Sportart, die im Umgang mit Spielern sehr hilft. Und glücklicherweise hat mein erster Einsatz bei der U20-WM in Nigeria im Jahr 1999 sehr gut geklappt.
4. Mit Prof. Dr. Klaus Berger haben Sie die wissenschaftliche Leitung der SoccHealth-Studie inne, die in Kooperation mit dem NAKO Konsortium durchgeführt und von DFB, DFL, VBG und BMBF finanziert wird.
– Die „SoccHealth Studie erforscht den Gesundheitsstatus von Ex-Fußballprofis, d. h. es wird untersucht, wie sich physische Belastungen während der Sportkarriere von Profi-Fußballer*innen auf deren Gesundheit im mittleren und höheren Lebensalter auswirken.
5. Das Besondere an dieser Studie liegt darin, dass die ermittelten Daten (zum allgemeinen Gesundheitsstand und zu den Krankheitsprävalenzen von Ex-Fußball-Profis) mit denen der Allgemeinbevölkerung anhand der NAKO Daten verglichen werden. Was erwarten Sie von dieser Studie?
– Für den Fußball ist es wohl das erste Mal, dass an so prominenter Stelle wissenschaftliche Fragen im Zusammenhang mit der Sportart bearbeitet werden. Das wird der Bedeutung des Fußballs in der Gesellschaft aber durchaus gerecht. Angesichts seiner Popularität ist es sehr gerechtfertigt, nach Langzeitfolgen zu fragen – positiv oder negativ. Die deutlichsten Ausprägungsformen dieser Folgen sind bei Ex-Profis zu erwarten. Insofern ergibt es viel Sinn, mit einer solchen Untersuchung zu beginnen. Insofern erwarte ich mir von den Ergebnissen der SoccHealth Studie auch einen Anschub für ähnliche Ansätze, die sich dann auch den Amateurfußball einbeziehen sollten.
6. Sie sind Botschafter der NAKO Gesundheitsstudie, warum haben Sie sich dafür entschieden?
– Die NAKO Gesundheitsstudie ist einzigartig und ein tolles Instrument, um sehr viele Fragen wissenschaftlich mit hoher Qualität anzugehen. Das gilt natürlich nicht nur, aber auch für den Sport bzw. für sportliche Aktivität. Ich finde, dass man einen solchen breiten Ansatz beinahe begrüßen MUSS. Daher fiel es mir relativ leicht, die Rolle als NAKO-Botschafter anzunehmen.
7. Warum finden Forschungsergebnisse nicht stärker Eingang in den Alltag des Leistungssports?
– In meiner Wahrnehmung herrscht dort immer noch viel Traditionalismus nach dem Motto: „Was mir zu einer erfolgreichen Karriere verholfen hat, kann nicht falsch sein.“ Viele Verantwortliche sehen die Wissenschaft im Elfenbeinturm. Hier gibt es gewiss auch eine wesentliche Bringschuld der Wissenschaftler in der Kommunikation ihrer Ergebnisse. Aber auch die Trainerausbildung muss dringend akademisiert werden, was in anderen Ländern längst der Fall ist.
8. Gibt es Beispiele, wo dies besser funktioniert?
– Wir haben am Institut sehr enge Verbindungen nach Australien. Dort ist das Miteinander von Wissenschaft und Sportpraxis viel selbstverständlicher. In vielen Clubs sind Doktoranden tätig, deren Finanzierung man sich mit Universitäten teilt, sog. „shared PhDs“. Das ist ein Modell mit einem extrem geringen finanziellen Risiko, aber großen Chancen. Hierzulande existieren solche Strukturen kaum. Bestenfalls werden wissenschaftlich ausgebildete Personen angestellt, um definierte Funktionen im Club zu erfüllen. Das „Modell Australien“ ist aber auch eine Kultur, die nicht von heute auf morgen geschaffen werden kann und sich zudem in einem wesentlich kollegialeren Miteinander ausdrückt. Man merkt das nach wenigen Stunden auf jedem Kongress.
9. Wenn Sie nicht forschen, was tun Sie zur Entspannung? Treiben Sie aktiv Sport?
– Klar, meine liebsten Sportarten sind Fußball und Tischtennis, die ich auch wettkampfmäßig betrieben habe. Mittlerweile ist aber eher ein Mix aus Laufen, Radfahren, funktionellem Krafttraining und gelegentlich noch Fußball oder Tischtennis. Meistens gelingt es mir zeitlich, mindestens 3-mal pro Woche zu trainieren.
(Fotoquelle: DFB/privat)

Jürgen Haller und die verrückte Geschichte mit dem Wembley-Ball

Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und die Geschichte, die Jürgen Haller erlebt hat, könnte sich kein Hollywood-Regisseur besser ausgedacht haben.

Jürgen Haller (Quelle: privat)

Jürgen Haller (Quelle: privat)

Helmut Haller

Helmut Haller mit dem Wembley-Ball (Quelle: privat)

Helmut Haller mit dem Wembley-Ball (Quelle: privat)

Als Profifußballer, der unter anderem beim FC Augsburg spielte, trat er in die Fußstapfen seines Vaters, Helmut Haller, der beim berühmten Finale im Wembley-Stadion auf dem Platz stand. Als Erinnerung für diejenigen, die nicht so „Fußball begeistert/informiert“ sind: Das Finale der Fußball-WM 1966 wurde im Londoner Wembley-Stadion zwischen Deutschland und England ausgetragen. Es stand 2:2, bis Geoff Hurst in der Verlängerung das berühmte Wembley-Tor schoss, das eigentlich keins war – denn der Ball prallte von der oberen Torlatte auf den Boden, genau vor die Torlinie. Der Schiedsrichter traf jedoch die falsche Entscheidung: Das Tor zählte und England wurde Weltmeister.
Und was geschah mit dem Ball? Den nahm Helmut Haller mit, ließ einige der Spieler, die auf dem Feld standen, unterschreiben, und schenkte ihn seinem damals 5-jährigen Sohn Jürgen.
Dann passierte 30 Jahre lang gar nichts – bis plötzlich früh am Morgen ein Reporterteam des Daily Mirror vor der Haustür der Hallers stand, zu Recherchezwecken, denn als Grund für ihre 30-jährige Pechsträhne sahen die abergläubischen Engländer die Tatsache, dass sich der Ball ihres größten Triumphspiels nicht in ihrem Land befand. Man hatte also begonnen, danach zu suchen und war dabei auf Fotos der Siegerehrung von 1966 gestoßen, auf denen Helmut Haller von Queen Elizabeth die Silbermedaille umgehängt bekam – während er den Ball unterm Arm hielt.
Als der Daily Mirror nun herausfand, dass der Ball noch bei den Hallers im Wohnzimmer lag, begann ein wahrer Kampf, denn die Konkurrenz schlief nicht: The Sun wollte die Story ebenfalls, und so kam es zu einem Wettbewerb um die Rückgabe des Balls, bei dem sich die beiden Zeitungen mit immer höheren Geldsummen überboten. Das Rennen machte letztendlich der Daily Mirror.
Die englische Zeitung organisierte also eine Reise nach London; Helmut Haller flog mit zwei Freunden voraus, sein Sohn sollte mit dem Ball nachkommen. Begleitet wurde er dabei nicht nur vom Team des Daily Mirror, sondern auch von einem Augsburger Lokalsender, der ebenfalls Interesse an der Story hatte. Um 3 Uhr in der Frühe ging es los. Doch The Sun war dem Team bereits auf den Fersen, daher fuhren sie zunächst in Richtung München, als Ablenkungsmanöver, denn der Flug startete eigentlich am Flughafen in Stuttgart. Statt direkt nach London zu fliegen, entschied man sich für einen Abstecher nach Amsterdam – um die Konkurrenz abzuschütteln, versteht sich. Womit dann jedoch keiner gerechnet hatte: Bei der Ankunft am Gate im Flughafen London Heathrow stieß man ausgerechnet auf – The Sun. Trotz aller Bemühungen war es dem Konkurrenz-Team gelungen, die Daily Mirror-Gruppe aufzuspüren.
Aggressiv gingen die Reporter auf Jürgen Haller zu und riss ihm den Wembley-Ball aus den Händen. Was jedoch niemand wusste: Dabei handelte es sich um eine Fälschung! Der echte Ball lag sicher verstaut im Koffer von einem der deutschen Reporter.
Und falls das alles schon unglaublich scheint, kommt jetzt der krönende Abschluss: Für die Flucht vor der Konkurrenz hatte der Daily Mirror tatsächlich einen Hubschrauber organisiert. Mit dem ging es zu einem abgelegenen Landsitz, wo bereits Geoff Hurst (genau: der, der das Wembley-Tor geschossen hatte) wartete. Dem übergab Helmut Haller nun den Ball, und am gleichen Tag ging es für ihn zurück in die Heimat, während sein Vater noch für zwei Tage für Fotoaufnahmen in London blieb.
„Ich bereue es im Nachhinein nicht, den Ball abgegeben zu haben“, sagt Jürgen Haller heute, „Es war eine gute Sache, die Engländer konnten ihren Frieden damit machen, und mein Vater hat eine kleine Entschädigung erhalten und ich stiftete 5.000 D-Mark an eine karitative Einrichtung. Alle waren zufrieden!“
Der einzige Wermutstropfen ist wohl, dass die Engländer trotz des Balles, der sich heute übrigens im Fußball-Museum in Manchester befindet, seit 1966 immer noch nichts gewonnen haben – allen Aberglauben zum Trotz.
Mittlerweile ist Jürgen Haller 60 Jahre alt. Nach seiner Profikarriere hat er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann absolviert und war Trainer in der Bezirksliga. „Das war eine wunderschöne Zeit, in der viele neue Freundschaften entstanden sind“, erinnert er sich.
Heute hat er seine eigene Agentur bei der Allianz Versicherung, spielt in seiner Freizeit viel Golf und etwas Tennis, und ist in der Traditionsmannschaft des FC Augsburg. Zudem verbringt er viel Zeit mit seinem Enkel. Die zukünftige Generation ist auch einer der Gründe für seine Teilnahme an der Fußballstudie: „Ich hoffe, dass man mit den Ergebnissen jungen Fußball-Profis helfen kann.“

Dieter Timme über seine Teilnahme an der Fußballstudie, seine Karriere-Highlights und die Folgen des Profi-Fußballs

Wir haben mal wieder einen ehemaligen Fußballer interviewt: Heute beantwortet uns Dieter Timme unsere Fragen.

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(Fotoquelle: privat.)

Warum nehmen Sie an der Fußballstudie teil?

 

Ich finde interessant, zu sehen, wie fit ich sowohl geistig als auch körperlich noch bin.

Durch eine Profikarriere bleiben oft Schäden zurück, die sich erst in späteren Jahren zeigen. Ich kenne beispielsweise ehemalige Spieler, die heute an Parkinson oder Vergesslichkeit leiden, was meiner Meinung nach Spätfolgen von Kopfbällen und Zweikämpfen sein könnten. Ich persönlich habe seit 2-3 Jahren einen leichten Tremor, also ein Zittern, das ich aber durch entsprechende Medikamente in den Griff bekommen habe. Insgesamt fühle ich mich gut und habe das durch meine Untersuchung im Studienzentrum Berlin-Nord auch bestätigt bekommen.

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen? Und wie kam es dazu, dass Sie Fußballprofi wurden?

 

Angefangen habe ich schon in jungen Jahren, mit sieben oder acht, allerdings zu Beginn nur auf dem Bolzplatz. Ich bin im Kiez groß geworden und nach der Schule haben wir den ganzen Tag gebolzt. Einer meiner Mitspieler, der auch in meiner Straße gewohnt hat, hat bei Hertha BSC gespielt und eines Tages hat er zu mir gesagt: „Mensch, komm doch mal mit zum Training!“ Das tat ich und der Trainer wollte, dass ich anfing, bei der Hertha zu spielen – und der Rest ist Geschichte.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

 

Ein persönliches Highlight war für mich Gustav Eder, der Co-Trainer bei den Profis war, als ich bei der Hertha anfing. Er hat mich zum Profi gemacht, mich gefördert und geprägt, sodass ich letztendlich zum Stammspieler in der Bundesliga wurde. Mit der Hertha war es aber ein ständiges Auf und Ab: Wir sind immer wieder auf- und abgestiegen, was natürlich auch prägend war.

Besonders interessant war für mich auch, dass ich Anfang der 80er Jahre schon kurz nach meinem Anfang als Profi-Spieler beim UEFA Cup dabei war – zwar nur auf der Bank, aber das war natürlich trotzdem eine tolle Sache. Wir sind leider im Halbfinale gegen Roter Stern Belgrad ausgeschieden, aber bis dahin habe ich die Atmosphäre in mich aufgesaugt und mir alles genau eingeprägt.

Wie kam es dazu, dass Sie sich nach der Profikarriere dafür entschieden haben, Trainer zu werden?

 

Zu meinem Karriereende kam es aufgrund einer Verletzung: Nach dem Zusammenstoß mit dem Torwart der gegnerischen Mannschaft hatte ich das Schien- und Wadenbein gebrochen und zudem noch eine Schulterverletzung. Dadurch fiel ich ein Jahr aus. Ich habe dann noch einmal versucht, in der ersten Mannschaft zu spielen, aber es hat einfach nicht mehr gereicht. Danach habe ich zwei Jahre in der Amateurmannschaft gespielt und wurde dann innerhalb des Vereins angesprochen, ob ich mir nicht vorstellen könne, Trainer zu werden.

Daraufhin wurde ich für vier Jahre Trainer in der A-Jugend. Das war eine hochinteressante Arbeit, viele der Junge haben später in der Bundesliga gespielt, ein paar auch in der Nationalmannschaft, manche sind später ebenfalls Trainer geworden. Das habe ich immer gerne weiterverfolgt.

Spüren Sie heute noch die Folgen Ihrer Verletzung?

 

Ja, ich habe auch heute noch ein paar Einschränkungen: Durch die Schädigung der Achillessehne am linken Fuß ist mein Gangbild etwas beeinträchtigt, und ich habe Beschwerden mit dem Sprunggelenk. Aber ich sage immer: „Es gibt schlimmere Dinge.“ Ich kann gut damit leben.

Was haben Sie nach der Profi-Karriere beruflich gemacht?

 

Während ich Trainer war, habe ich mich selbstständig gemacht und einen Elektro-Installationsbetrieb eröffnet. Daneben habe ich aber weiter trainiert, auch höherklassig, wie z. B. beim Halleschen FC. Obwohl es mir viel Spaß gemacht hat, bin ich mittlerweile aber nicht mehr als Trainer aktiv. Ich verbringe gerne viel Zeit mit meinen Kindern und meiner Enkeltochter, das war davor nicht so einfach, weil meine ganze Woche immer schon verplant war.

Sind Sie heute noch sportlich aktiv?

 

Ich halte mich fit, mache 2-3-mal pro Woche Krafttraining. Das ist mir wichtig, da die Muskulatur im Alter nachlässt. Zudem gehe ich oft Fahrrad fahren. Joggen ist aufgrund meiner Verletzung leider nicht mehr möglich, dafür gehe ich aber viel spazieren.

Bei der diesjährigen EM ist die deutsche Nationalmannschat leider bereits früh ausgeschieden: Denken Sie, dass die Mannschaft bei der WM nächstes Jahr bessere Chancen hat?

Chancen haben sie auf jeden Fall, der Kader besteht derzeit nur aus Top-Fußballern, die aber leider weit unter ihrem Niveau gespielt haben. Ich will jetzt aber nicht auf Jogi Löw rumhacken: Er hat viel erreicht, aber leider zu spät aufgehört. Ich denke, dass er in den letzten Jahren zu wenig Risiko eingegangen ist, aber als außenstehende Person hat man auch immer eine andere Sicht auf das Spiel als der Trainer.

Denken Sie, dass mit Hansi Flick die richtige Wahl als neuer Trainer war?

Hansi Flick ist sowohl beim TSG Hoffenheim als auch beim FC Bayern sehr erfolgreich als Trainer gewesen. Er ist sehr kommunikativ, geht auf jeden Spieler zu, zieht aber gleichzeitig immer seine Linie durch. Daher glaube ich, dass er für den DFB eine Riesenchance ist: Er ist hochintelligent, aber kein Selbstdarsteller. Mit seiner sachlichen, lernwilligen Art kann er die deutsche Mannschaft auf jeden Fall wieder nach oben bringen.

Axel Schulz über seine Treue zum F.C. Hansa Rostock, den Profisport in der DDR und seine Teilnahme an der NAKO-Fußballstudie

Für unser neuestes Interview haben wir den ehemaligen Fußball-Profi Axel Schulz getroffen und mit ihm über seine Karriere und seine Teilnahme an unserer Fußball-Studie gesprochen.

Axel Schulz (Quelle: privat)

Fotoquelle: privat.

Fotoquelle: privat.

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Warum nehmen Sie an der Fußballstudie teil?

Weil ich mir dachte, dass es nie verkehrt sein kann, mehr über die eigene Gesundheit zu erfahren. Ich unterstütze die Studie sehr gerne, da sie ein Beitrag zur Forschung ist, und bin gespannt auf die Ergebnisse.

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen?

Ich habe mit 8 Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Der F.C. Hansa Rostock war mein erster Verein, und ich war, bis ich mit 34 aufgehört habe, nie woanders. Damals mit 8 habe ich aber noch keinen Gedanken daran verschwendet, wie es sein könnte, Profi zu werden. Millionen von Jungs finden Fußball cool, und ich war eben einer von ihnen. Mein Vater war Sportjournalist und hat viel über den Verein berichtet, und wir haben zudem nur 3 Minuten vom Stadion entfernt gewohnt. Daher war Hansa Rostock schon in meiner Kindheit sehr präsent.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Mehrere, aber ein besonderes war sicher, dass wir mit Hansa Rostock 1991 letzter DDR-Meister geworden sind. Der Titelgewinn bedeutete auch, dass wir uns für die Bundesliga qualifiziert hatten. Im gleichen Jahr sind wir dann auch noch Pokalsieger geworden – das war einfach toll!

Nach Ihrer Karriere als Profispieler waren Sie zunächst als Trainer tätig?

Ich habe bis 1993 gespielt und war danach eine Zeit lang ohne Job. Durch eine sogenannte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, also eine durchs Arbeitsamt geförderte Stelle, habe ich als Nachwuchstrainer beim PSV Rostock angefangen und für ein Jahr auch die Damenmannschaft des Vereins trainiert, die damals in der Bundesliga spielte. Ende der 90er-jahre wurde der Frauenfußball allerdings noch nicht so professionell betrieben wie heute. Es hat aber dennoch mit beiden Mannschaften sehr viel Spaß gemacht.

Sie sind dann wieder zum F.C. Hansa Rostock zurückgekehrt, haben unter anderem auch als Pressesprecher für den Verein gearbeitet – wie kam es dazu?

Ich hatte parallel zu meiner Karriere als Fußballer noch Deutsch auf Lehramt studiert. In der DDR war es üblich, dass man neben dem Fußball noch eine berufliche Ausbildung absolviert hat. Ich habe zwar nie als Deutschlehrer gearbeitet, aber als dann die Stelle als Pressesprecher frei wurde, stellte das abgeschlossene Studium eine gute Basis für den Job dar, den ich von 1996 bis 2009 ausgeübt habe.

Was machen Sie mittlerweile beruflich?

Ich bin immer noch bei Hansa, jetzt als Koordinator Sport. In der Funktion habe ich viel mit organisatorischen Sachen sowohl bei der ersten Mannschaft als auch bei den Teams unserer Nachwuchsakademie zu tun und ich bearbeite Anfragen, die den Verein erreichen. Zudem gebe ich Stadionführungen – das macht großen Spaß, weil man viele Leute kennenlernt und es immer sehr abwechslungsreich ist.

Sein ganzes Leben lang einem Verein treu zu bleiben, ist ja schon etwas Besonderes. Wollten Sie nie etwas anderes machen?

Ich glaube, dass aus mir auch ein passabler Grundschullehrer geworden wäre, aber insgesamt bin ich zufrieden damit, wie sich alles ergeben hat. Und es ist ja auch sehr schön, dass die Verbindung zum Verein so lange bestehen geblieben ist.

Sind Sie heute noch sportlich aktiv?

Auf Fußball hatte ich nicht mehr besonders viel Lust nach der aktiven Karriere. Mittlerweile fahre ich öfters mal Fahrrad und ich versuche, viele Wege zu Fuß zu erledigen. Intensiverer Sport ist nicht mehr drin, dazu tun die Knochen dann doch zu sehr weh. Das sind mit Sicherheit auch Nachwirkungen des Trainings in der DDR. Wir haben als Fußballer damals anders trainiert als es heute in Deutschland der Fall ist. Die Umfänge waren sehr groß, weil man sich an den Trainingsplänen anderer sehr erfolgreicher Sportarten wie z.B. Schwimmen oder Leichtathletik orientiert hat. Aber ich will nicht klagen, im Großen und Ganzen ist alles in Ordnung.

Schauen Sie heute noch Fußball?

Ich schaue mir auch jetzt noch Spiele an, aber nicht mehr so intensiv. Dafür gibt es auch zu viele andere Dinge, mit denen ich stattdessen meine Freizeit verbringe: Ich habe drei Enkel, mit denen ich viel Spaß habe und die mich ordentlich auf Trab halten. Außerdem wohne ich direkt am Strand und mache jeden Tag einen Spaziergang am Wasser; das ist sehr entspannend.

Bastian Hellberg über seine Teilnahme an der NAKO-Fußballstudie, seine Karriere bei Hannover 96 und die Europameisterschaft

Die EM ist zwar vorbei, doch die NAKO-Fußballstudie geht weiter: Bastian Hellberg, ehemaliger Profi-Fußballer und heutiges Aufsichtsratsmitglied bei Hannover 96, hat uns ein Interview zu seiner NAKO-Teilnahme, seiner Fußball-Karriere und der Europameisterschaft gegeben.

Bastian Hellberg (Quelle: Niedersächsischer Fußballverband)

Bastian Hellberg (Quelle: Niedersächsischer Fußballverband)

Bastian Hellberg für Hannover 96 beim Spiel gegen den KSC (Quelle: Hannover 96)

Bastian Hellberg für Hannover 96 beim Spiel gegen den KSC (Quelle: Hannover 96)

Warum haben Sie sich entschieden, an der NAKO-Fußballstudie teilzunehmen, und wie war Ihre Untersuchung?

Ich habe die Einladung erhalten und dachte mir „Warum nicht?“ Ich helfe gerne, und durch meine Teilnahme kann ich einen Beitrag für die Wissenschaft leisten. Über die Untersuchung an sich kann ich auch nur Gutes sagen: Die Atmosphäre im Studienzentrum Hannover war angenehm, und das Personal sehr nett und kompetent.

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen, und wie sind sie Profi geworden?

Ich habe drei ältere Geschwister, die aber alle kein Fußball gespielt haben, sondern geschwommen sind. Mit sechs Jahren habe ich mit Fußball angefangen, aber das Ziel, Profi zu werden, hatte ich nie. Ich würde sagen, mein Talent hat für die Profi-Karriere ausgereicht, und dann kam eben noch das nötige Quäntchen Glück dazu.

Tatsächlich hatte ich auch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften angefangen, das ich dann aber zugunsten des Fußballs abgebrochen habe, als ich mit 20 zu Hannover 96 wechselte. Da ich neben dem Fußball aber noch etwas anderes machen wollte, und es für Hannover 96 damals alles andere als gut lief, entschied ich mich später jedoch, neben dem Fußball eine Ausbildung zum Bankkaufmann zu absolvieren. Das war im selben Jahr, als wir in die Bundesliga aufgestiegen sind, und ich auch noch Kapitän der Mannschaft war – sehr stressig, aber es hat sich ja letztendlich ausgezahlt.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ein ganz klares Karriere-Highlight war der Aufstieg von Hannover 96 in die Bundesliga im Jahr 1985. Im Kader waren damals 16 teilweise noch sehr junge Hannoveraner, wie auch ich, und alle Experten sagten voraus, dass wir zu Saisonende auf Platz 20 der Tabelle stehen, und somit in die Regionalliga absteigen würden. Beim letzten Spiel der Saison gegen Hertha BSC ging es für uns um alles, und wir schafften es tatsächlich, das Spiel zu gewinnen und direkt  in die die Bundesliga aufzusteigen. Die Euphorie in dem ausverkauften Stadion war riesig.

Wie ging es nach der Profi-Karriere für Sie weiter?

Ich hatte ja während der Zeit als Profi bereits eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert, und danach nebenbei drei Jahre lang ein Sportgeschäft betrieben. Als meine Profi-Karriere endete, arbeitete ich zunächst 2-3 Jahre in der Finanzbranche, und machte parallel dazu die A-Lizenz als Trainer .

Mit Anfang 30 entschied ich mich, dass ich gerne im Fußballbereich bleiben würde, und wurde 2005 Direktor des Niedersächsischen Fußballverbandes. Wenige Menschen sind sich darüber bewusst, wie viel Arbeit in einem solchen Fußballverband steckt: Der Niedersächsische hat 670.000 Mitglieder und richtet pro Jahr ca. 400.000 Spiele aus.

1997 wurde ich dann quasi „gegen meinen Willen“ Vizepräsident bei Hannover 96: Dem Verein ging es finanziell sehr schlecht, und er spielte in der 3. Liga. Als Hannoveraner wollte ich in der Situation natürlich helfen. Ein Jahr später schafften wir tatsächlich den Aufstieg in die 2. Liga, woraufhin ich mich entschied, zurückzutreten, da ich diesem Ehrenamt neben meinem eigentlichen Job und der Familie zeitlich nicht gerecht werden konnte. Vor zwei Jahren wurde ich dann Mitglied des Aufsichtsrats von Hannover 96.

Sind Sie immer noch sportlich aktiv?

Ich habe auch nach meiner aktiven Karriere noch sehr gerne Fußball und auch Tennis gespielt. Aufgrund eines Knorpelschadens ist das mittlerweile aber leider mit Schmerzen verbunden, daher werde ich es jetzt wohl auch mit Schwimmen versuchen und hoffen, dass es auch mit dem Fußball irgendwann wieder schmerzfrei klappt.

Leider ist die deutsche Nationalmannschaft bei der EM bereits ausgeschieden. Denken Sie, dass es nächstes Jahr, bei der WM, besser laufen wird?

Ich denke, das frühe Ausscheiden der Mannschaft war abzusehen, denn sie spielt mittlerweile leider nicht mehr auf Top-Nivea. Zudem haben die anderen aufgeholt: Mittlerweile gibt es 20-30 Teams, die alle auf Augenhöhe spielen. Für den deutschen Fußball ist das eine schwierige Phase, ich drücke Hansi Flick die Daumen, dass es bei der WM nächstes Jahr besser laufen wird.

„Ich hoffe, die Studie hilft dabei, herauszufinden, was man in Zukunft im Leistungssport besser machen kann.“ – Uwe Brunn über die NAKO-Fußballstudie, Straßenfußball und Elfmeterschießen

Kurz vor dem Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft haben wir den ehemaligen Fußballprofi Uwe Brunn im Rahmen der NAKO-Fußballstudie interviewt.

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Uwe Brunn (Quelle: privat)

Uwe Brunn (Quelle: privat)

Warum nehmen Sie an der Fußballstudie teil?

Ich finde das Konzept der Studie super! Als Leistungssportler interessiert es mich, wie sich im Alter gesundheitlich alles entwickelt, und welche Auswirkungen die Profi-Karriere auf die Gesundheit hat. Heute ist der Profisport schon viel weiter als damals. Wir haben früher aus Unwissenheit beispielsweise im Training so manche Übungen gemacht, von denen man heute weiß, dass sie schlecht für den Körper sind. Ich hoffe, die Studie hilft auch dabei, herauszufinden, was man in Zukunft im Leistungssport besser machen kann.

Wann haben Sie mit dem Fußballspielen angefangen? Und wie kam es dazu, dass Sie Torwart wurden?

Ich habe mit 6-7 Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Ich bin in Westberlin aufgewachsen, und wir waren ja noch eine Generation der Straßenfußballer. Wir haben gekickt, bis es draußen dunkel wurde. Da ich „lauffaul“ war, aber ein gewisses Talent besaß, bin ich letztendlich Torwart geworden.

Wie wurden Sie Profi-Spieler?

Mit 13 bin ich zum BFC Preußen gewechselt, wo ich zum ersten Mal Torwarttraining bekam. Da Westberlin zu Westdeutschland gehörte, konnten wir auch am Länderpokal teilnehmen, der einmal im Jahr stattfand. Dazu reisten wir im Frühjahr 1985 nach Duisburg, und bei diesem Turnier wurde ich dann von Berti Vogts entdeckt und erhielt eine Einladung zu meiner ersten U-Nationalmannschaft. Mit 17 bin ich dann vom BFC Preußen zum 1. FC Köln gewechselt.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich habe sogar zwei: 1987 waren wir mit der U20-Nationalmannschaft bei der WM in Chile und wurden dort Vize-Weltmeister. Beim Finale gegen Jugoslawien, das wir knapp verloren, waren 80.000 Menschen im Stadion – das war eine unglaubliche Atmosphäre. Aber auch die vier Wochen davor, die wir in Chile verbrachten, waren wunderbar.

Mein zweites Highlight ereignete sich am 1. Juni 2000, beim Aufstiegsspiel des VfL Osnabrück gegen Union Berlin. Es kam zum Elfmeterschießen bis kurz vor Mitternacht, und da beide Mannschaften aufgrund von roten Karten nur noch zu zehnt auf dem Platz standen, musste ich – als Torwart – nach dem 9. Spieler unserer Mannschaft einen Elfmeter schießen. Davor hatte ich es geschafft, einen Elfer des gegnerischen Teams zu halten, mein eigener Schuss traf, und danach hielt ich auch noch den Elfmeter meines Torwartkollegen Kay Wehner. Das war schon etwas ganz Besonderes.

Sie haben Ihre Karriere aufgrund einer Verletzung beendet, spüren Sie davon Folgen davon heute noch?

Ich musste meine Karriere aufgrund eines Risses des hinteren Kreuzbandes beenden. Ein Riss des vorderen Kreuzbandes, wie er meistens vorkommt, kann operiert werden, beim hinteren Kreuzband ist das leider nicht der Fall.

Meine Verletzung ist mittlerweile 18 Jahre her, aber ich kann immer noch nur wenig Sport treiben deswegen. Ich kann damit leben; es ist nicht schön, aber es könnte natürlich auch schlimmer sein.

Sie haben sehr lange für den VfL Osnabrück gespielt, bleibt auch nach der Profi-Karriere eine Verbindung zum Verein bestehen?

Ich habe 12 Jahre für den VfL Osnabrück gespielt und hätte auch weitergemacht, wenn meine Verletzung nicht dazwischengekommen wäre. Zwischen 2014 und 2017 war ich zudem Vizepräsident des Vereins. Aber auch, wenn ich das mittlerweile nicht mehr bin, bleibt die Verbundenheit zum Verein natürlich bestehen, und diese Verbundenheit wird für immer da sein.

Was machen Sie beruflich und wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Seit 2004 bin ich selbstständiger Handelsvertreter einer Niedersächsischen Versicherung. In meiner Freizeit spiele ich ab und zu Golf, ansonsten habe ich einen sehr netten Freundeskreis und zwei erwachsene Kinder, mit denen ich gerne Zeit verbringe. Meine Frau und ich haben uns zudem eine Wohnung an der Ostsee gekauft, wo wir so oft wie möglich hinfahren.

Denken Sie, dass die deutsche Nationalmannschaft bei der WM nächstes Jahr bessere Chancen hat als bei der diesjährigen EM?

Ich hoffe, dass es bei der WM nächstes Jahr besser für die Mannschaft laufen wird. Hansi Flick hat andere Ansatzpunkte als Jogi Löw. Ich glaube mit so vielen Talenten und so vielen guten Spielern, die ihm zur Verfügung stehen, kann man schnell eine Kehrtwende schaffen, die nicht erst über Jahre hinweg entwickelt werden muss. Natürlich darf man Jogi Löws Verdienste nicht kleinreden, aber ich denke, dass wir mit Hansi Flick bei der nächsten WM besser abschneiden werden. Er hat eine tolle Art, mit den Spielern umzugehen, und mit dem nötigen Quäntchen Glück können wir weit kommen.

Wer ist Ihr Favorit für den EM-Titel?

Das Herz sagt natürlich Dänemark, aber fußballerisch gesehen bin ich auch ein großer Fan von Italien. Der Zusammenhalt der Mannschaft gefällt mir, und man merkt einfach, dass sie auf dem Platz eine starke Einheit bilden.

„Ich möchte einen Beitrag für die Zukunft leisten“ – Ditmar Jakobs über seine NAKO-Teilnahme, die WM und das Leben nach dem Profi-Sport

Passend zum heutigen Start der Fußball-EM haben wir wieder einen ehemaligen Profispieler interviewt: Ditmar Jakobs hat mit uns über seine Karriere und die Gründe für Teilnahme an der NAKO-Fußballstudie gesprochen.

Ditmar Jakobs (Quelle: privat)

Ditmar Jakobs (Quelle: privat)

Jakobs Autogrammkarte

Warum nehmen Sie an der Fußball-Studie der NAKO teil?

Mein Bruder ist ebenfalls ehemaliger Profifußballer. Er lebt in Berlin und nimmt auch an Studie teil. Durch ihn habe ich von der Fußball-Studie erfahren, und hatte zwei Tage später ebenfalls die Einladung im Briefkasten.

Ich habe mich entschieden, teilzunehmen, weil ich wissen möchte welche berufsbedingten Spätfolgen der Profisport mit sich bringt. Wenn man, wie ich, 18 Jahre lang Berufssportler war, geht das sicher nicht spurlos an einem vorbei. Es interessiert mich, was durch solche Studien alles festgestellt werden kann, und ich möchte auch einen Beitrag für die Zukunft leisten: Ich hoffe, dass die Ergebnisse auch dazu beitragen, dass nachfolgende Generationen es leichter haben.

Wann haben Sie mit dem Fußball angefangen? Und wie kam es dazu, dass Sie Profi geworden sind?

Mit fünf Jahren habe ich angefangen, zu spielen. Für mich kam immer nur dieser Sport infrage.

Bis ich 16 oder 17 war, habe ich beim Amateurverein DJK Arminia Lirich gespielt. Eines Tages hat mich dann der Trainer von Rot-Weiß Oberhausen in die A-Jugend seines Vereins geholt – und von dort aus ging es dann direkt in die Bundesliga. Mit dem heutigen Fußball ist das nicht mehr vergleichbar; heute werden die Jugendlichen normalerweise viel früher von Scouts gesichtet und in die Profi-Vereine geholt.

Haben Sie ein Karriere-Highlight, welches Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Mein erstes Bundesliga-Spiel, als ich 18 Jahre alt war, war natürlich ein ganz besonderer Moment. Viele Highlights gab es auch beim Hamburger SV, zum Beispiel die Meisterschaften, und die Momente als wir den DFB-Pokal oder auch den Europa-Pokal gewonnen haben.

Ein außergewöhnliches Erlebnis war auch das Endspiel um die Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko. Ich stand plötzlich auf dem Platz, obwohl ich gar nicht damit gerechnet hatte. Davor hatte ich nämlich drei Jahre nicht für die Nationalmannschaft gespielt, und war zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaft auch schon 32 Jahre alt und dachte bereits an meinen Abschied. Der Grund für mein Comeback war Franz Beckenbauer: Er war bereits in Hamburg mein Mannschaftskollege gewesen, und als er Trainer der Nationalmannschaft wurde, holte er mich zurück. Ich fuhr mit zur WM, rechnete aber nicht mit einem Einsatz. Doch dann verletzten sich einige Kollegen, sodass ich bereits im 2. WM-Spiel und schließlich auch im Finale spielte.

Der Grund für Ihr Karriere-Ende war eine Verletzung: beeinflusst diese Sie noch heute? Und was machen Sie mittlerweile beruflich? Sind Sie immer noch sportlich aktiv?

Ich habe auch heute immer noch einige Probleme aufgrund der Verletzung, aber man lernt damit zu leben. Ich würde trotzdem wieder alles so wieder machen, wie ich es gemacht habe.

Nach dem Ende meiner Profi-Karriere bin ich bei zwei ambulanten Rehabilitationszentren geschäftlich eingestiegen, eines in Altona und eines in Winterhude. Anfang der 2000er Jahre mussten wir leider schließen, aber ich hatte mir zu dem Zeitpunkt bereits ein zweites Standbein aufgebaut, das jetzt zu meinem Hauptberuf geworden ist: Ich habe eine Versicherungsagentur aufgebaut. Einige Berufsfußballer sind bei mir versichert, aber wir haben auch viele ‚normale‘ Klienten.

Sportlich aktiv kann ich leider nicht mehr sein. Im Alter spürt man leider die Spätfolgen von der Zeit als Aktiver. Damals wurde aber auch anders mit Verletzungen umgegangen als heute: wir haben einfach trotzdem weitergespielt. Deshalb treibe ich, wie gesagt, leider wenig Sport, mache aber dennoch jedes Jahr eine längere Fahrradtour mit meiner Frau, beispielsweise an der Nordsee.

Claudia Müller mit Elan bei der Fußball-Studie

Im Rahmen der Fußballstudie haben wir die ehemalige Profispielerin Claudia Müller zu ihrer Teilnahme und ihrer Karriere interviewt.

Quelle: Studienzentrum Berlin-Nord

Quelle: Studienzentrum Berlin-Nord

Ein Bild von Claudia Müller hat sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt: Wie sie bei einem Torjubel vor Begeisterung mit dem Trikot über dem Kopf über den Platz rennt. Was die Wenigsten aber wissen, ist, dass sich die ehemalige Sportlerin nun auch der Gesundheitsforschung verschrieben hat. Als eine der ersten Fußballerinnen hat sie an der Untersuchung und Testung im Rahmen der Fußball-Studie (Soccer-Health-Studie) teilgenommen. Die Soccer-Health-Studie wird von der Deutschen Fußball Liga (DFL), dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), der gesetzlichen Unfallversicherung VBG und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der NAKO durchgeführt.

Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens können sich ehemalige Fußball-Profis eines der 18 NAKO Studienzentren auswählen. An diesem Ort durchlaufen sie dieselben Untersuchungen und Testungen wie die NAKO Teilnehmenden.

Claudia Müller hat das NAKO Studienzentrum in Berlin Nord gewählt, um an der MRT-Untersuchung teilnehmen zu können. Die Entfernung zum Wohnort – Braunschweig – war nebensächlich.

Im Laufe ihrer Profikarriere hat die  gebürtige Bremerin bereits viele medizinische Untersuchungen gehabt, doch  die NAKO ist etwas vollkommen Neues für sie: „Ich habe die Informationen zur Soccer Health Studie über den DFB bekommen und war sofort interessiert“, erzählt sie, „Es ist das erste Mal, dass ich mich der Wissenschaft zur Verfügung stelle und durch meine Teilnahme an der Soccer-Health Studie trage ich konkret dazu bei, Erkenntnisse zur Verbesserung der Prävention und Behandlung von Erkrankungen des zukünftigen Fußball-Nachwuchs zu gewinnen. Zudem bekommt man auch aktuelle Informationen über die eigene Gesundheit.“

Quelle: https://www.faz.net/aktuell/sport/frauen-em-deutschland-dank-golden-goal-europameister-130683.html

Quelle: https://www.faz.net/aktuell/sport/frauen-em-deutschland-dank-golden-goal-europameister-130683.html

Claudia Müller

Claudia Müller (Quelle: privat)

Müllers Werdegang als Fußballerin:

Ihre Fußball-Karriere begann schon früh: „Ich habe mich schon immer für Fußball interessiert und habe in der Grundschule mit dem Spielen begonnen. Mit 8 trat ich in den ersten Verein ein, damals eine reine Jungenmannschaft.“

Später spielte sie unter anderem für die Profivereine Hannover, Frankfurt und Wolfsburg. In der Saison 1997/98 erzielte sie 33 Tore in 29 Ligaspielen, was eine außergewöhnlich hohe Quote von 1,13 Toren pro Spiel bedeutete.

Zudem absolvierte sie ab 1996 insgesamt 45 Länderspiele in der Nationalmannschaft und konnte dabei 22 Tore erzielen. „Ein Highlight war für mich ganz klar die Bronzemedaille, die ich mit der Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000 mit nach Hause nehmen durfte.“ Eine weitere besondere Station ihrer Karriere war ihr letztes Spiel mit der Nationalmannschaft bei der EM gegen Schweden: In der 98. Minute erzielte sie das Golden Goal und brachte ihrer Mannschaft damit den EM-Sieg.

Ihr letztes Ligaspiel hatte Müller am 22. Mai 2005 gegen den SC Freiburg, und beendete danach ihre Profikarriere mit 31 Jahren.

Noch während der der Profikarriere machte Müller eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau und studierte nach der Fußballkarriere Betriebswirtschaft. Heute arbeitet sie für einen IT-Dienstleister. Sportlich aktiv ist sie noch immer, mittlerweile, aber eher mit dem Rennrad oder dem Kajak.

Ex-Fußball-Profi und Zeitzeuge Sven Kretschmer im NAKO Studienzentrum Berlin Nord

Der ehemalige Fußball-Profi ist einer der ersten unter den Teilnehmer*innen der Fußball-Studie, einem Forschungsvorhaben von DFB, DFL, VBG, BMBF und NAKO. Anlässlich seiner Untersuchung im NAKO Studienzentrum Berlin Nord erzählt er von den Gründen für die Teilnahme an der Fußball-Studie, seiner Karriere als Spieler und warum er zum Zeitzeugen wurde.

Quelle: Studienzentrum Berlin-Nord

Quelle: Studienzentrum Berlin-Nord

Sven Kretschmer

Sven Kretschmer (Quelle: privat)

Aus welchem Grund nehmen Sie an der Fußball-Studie der NAKO teil?

Ich fand das Thema der Studie sehr spannend, und auch meine Familie war von der Idee begeistert. Es ist das erste Mal, dass ich an einer wissenschaftlichen Studie teilnehme. Regelmäßig lasse ich mich medizinisch checken, die Ergebnisse sind nur für mich relevant. Aber jetzt habe ich durch die Studie die Möglichkeit erhalten zu schauen, wie ich–im Vergleich zu anderen NAKO Teilnehmern stehe. Als Sportler lasse ich mir diese Herausforderung nicht entgehen (😉). Sportlicher Ehrgeiz gepaart mit Fairness und Verantwortung: das sind meine Prinzipien als ehemaliger Fußballer, als Talentscout, als Mitmensch.

Haben Sie ein Erlebnis in Ihrer Karriere, welches Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Hier gibt es einiges zu nennen: Das erste Spiel im Olympiastadion natürlich und den Aufstieg von Hertha in die Bundesliga in den 90er Jahren habe ich ebenfalls noch in sehr guter Erinnerung. Ein ganz besonderes Karriere-Highlight gab es 1989: Zwei Tage nach dem Mauerfall spielte die Hertha gegen Wattenscheid. Bei dem Spiel konnte ich ein wichtiges Tor erzielen. 30 Jahre später wurde ich sogar als Zeitzeuge zum Thema Deutsche Einheit eingeladen, um Schulklassen und anderen interessierten Hörern davon zu berichten.“

Wann haben Sie mit dem Fußball angefangen?

Der Fußball war der rote Faden in meinem Leben– schon als Kind habe ich immer davon geträumt, im Olympiastadion zu spielen! Sobald ich laufen konnte, habe ich gespielt. Mit 5 Jahren begann ich, im Verein zu spielen, mit 14 begann für mich der Leistungssport – und mit 17 spielte ich Profifußball.

Was machen Sie mittlerweile, nach der Profi-Karriere, beruflich?

Dem Fußball bin ich auch nach der Profikarriere treu geblieben: Heute bin ich Chefscout bei Hertha BSC. In meiner Freizeit finde ich im Sport immer noch einen Ausgleich – zwar nicht mehr im Fußball, aber dafür im Boxen und Golf.

Engagiert auch nach der Profikarriere: Melanie Behringer als NAKO Botschafterin

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